— So, jetzt bist du geschieden, ich gebe dir eine Woche, damit du aus deiner Wohnung ausziehst, — erklärte die Geliebte zufrieden.

— Jetzt werde ich mit deinem Mann leben.

Teil 1. Die Garderobe der Spiegelillusionen

In der stickigen Garderobe roch es nach Haarspray, billigem Cognac und fremdem Erfolg.

Roman, ein mittelmäßiger Eventmoderator, dessen Ehrgeiz viel größer war als sein Talent, drehte sich vor dem Spiegel hin und her.

Er richtete seine Fliege, pustete unsichtbare Staubkörnchen von seinem Jackettkragen und übte genau jenes Lächeln, das seiner Meinung nach jede Tür und jedes Frauenherz öffnen sollte.

— Romtschik, wie lange willst du dich noch bewundern? — schnitt Ingas launische Stimme die Stille wie ein Messer eine überreife Wassermelone.

Inga saß auf einem wackeligen Stuhl und hatte ein Bein über das andere geschlagen.

Sie war grell, laut, mit Lippen, die bis zum Zustand glänzender Kissen aufgepumpt waren, und sie war das komplette Gegenteil seiner Frau.

Seiner Frau?

Ach ja, jetzt schon fast seiner Ex-Frau.

Roman verzog das Gesicht.

Das Wort „Frau“ in Bezug auf Ljudmila hatte für ihn immer etwas Langweiliges, Alltägliches, etwas, das nach Suppe und Nähmaschine roch.

— Kunst braucht Schliff, Kätzchen, — antwortete Roman selbstzufrieden und zwinkerte seinem Spiegelbild zu.

— Heute ist eine Firmenfeier bei Bauleuten, da braucht man Glanz und Charisma.

— Charisma hin oder her, aber wo werden wir wohnen? — Inga stand auf und trat ganz dicht an ihn heran.

Ihr spitzer Nagel mit giftig rosafarbenem Lack fuhr über seinen Hals.

— Du hast versprochen, die Wohnungsfrage zu klären.

— Ich werde mich nicht in deiner Junggesellenbude am Stadtrand zusammenquetschen, wo es so sehr durch die Fenster zieht, dass sich künstliche Wimpern lösen.

Roman lachte selbstgefällig und legte den Arm um die Taille seiner Geliebten.

— Alles unter Kontrolle.

— Diese Wohnung ist die perfekte Lösung.

— Zentrum, Altbau, drei Meter hohe Decken.

— Ljuda hat dort nur dank mir gewohnt.

— Ich habe mich, weißt du, mit der Eigentümerin geeinigt, mit so einer alten Hexe, zu besonderen Bedingungen.

— Ich zahle fast nichts, nur die Nebenkosten.

— Und Ljuda… diese graue Maus weiß nicht einmal, wie man solche Dinge regelt.

— Sie denkt, die Eigentümerin sei einfach eine barmherzige Samariterin.

— Dann wirf sie raus, — sagte Inga hart, und in ihren Augen blitzte die kalte Berechnung eines Raubtiers auf, das ein verletztes Tier gesehen hatte.

— Die Scheidung ist durch?

— Ist sie.

— Dann soll sie zu ihrer Mami gehen oder sich irgendwo eine Ecke im Keller mieten.

— Die Wohnung muss uns gehören.

— Ich habe schon neue Vorhänge dafür ausgesucht.

— Samt, bordeauxrot.

Roman zögerte für eine Sekunde.

Irgendwo tief in seiner Seele, unter den Schichten der Selbstverliebtheit, regte sich ein kleiner Wurm des Zweifels.

Ljudmila war still gewesen, aber die Wohnung…

Er hatte bis heute nicht ganz verstanden, warum diese strenge Frau, Warwara Petrowna, sie überhaupt fast kostenlos dort hatte wohnen lassen.

Doch als er Ingas verführerisch geöffneten Mund sah, schob er alle Gedanken beiseite.

— Heute, — erklärte er entschlossen.

— Direkt nach der Veranstaltung fahren wir hin und setzen dem Ganzen ein Ende.

— Du hast recht.

— Genug mit der Großzügigkeit.

— Der Sieger bekommt alles.

Inga lächelte triumphierend und stellte in Gedanken bereits ihre Parfümflakons auf die fremde Frisierkommode.

Sie liebte es, Fertiges zu nehmen, weil sie glaubte, die Welt müsse ihr allein wegen ihrer Existenz zu Füßen fallen.

Teil 2. Die Wohnung des zerbrochenen Wohlstands

Ljudmila saß an dem großen Tisch am Fenster, wo das Licht perfekt gleichmäßig auf die Arbeitsfläche fiel.

Das Rattern der Nähmaschine war für sie eine Art Meditation.

Unter der Nadel entstand ein Wunder — feinste Spitze legte sich auf Satin.

Sie nähte ein Brautkleid auf Bestellung und legte in jeden Stich ihre Seele, die im Moment unerträglich schmerzte.

Zwei Jahre.

Zwei Jahre lang hatte sie geglaubt, geliebt und versucht, ideal zu sein.

Und am Ende blieben nur ein trockener Scheidungsstempel und Leere.

Roman war schön gegangen, mit einem Koffer voller Bühnenkostüme, und hatte ihr nur das Gefühl klebrigen Schmutzes hinterlassen.

Das Klingeln an der Tür war hartnäckig und fordernd.

Ljudmila zuckte zusammen.

Sie erwartete niemanden.

Tante Warwara, deren Wohnung ihnen als Dach über dem Kopf diente, war in einem Sanatorium, und Kundinnen riefen normalerweise vorher an.

Als sie die Tür öffnete, erstarrte sie.

Auf der Schwelle stand genau dieses Mädchen von Romans Fotos in den sozialen Netzwerken, und hinter ihr tauchte er selbst auf — mit jenem Grinsen, das Ljudmila früher für Charme gehalten hatte, in dem sie jetzt aber nur noch Gemeinheit sah.

Inga wartete nicht auf eine Einladung, schob Ljudmila mit der Schulter beiseite und trat wie eine Hausherrin in den Flur, wobei ihre Absätze klackten.

— So, jetzt bist du geschieden, ich gebe dir eine Woche, damit du aus deiner Wohnung ausziehst, — erklärte die Geliebte zufrieden und ließ den Blick über die hohen Decken schweifen.

— Jetzt werde ich mit deinem Ex-Mann leben.

Ljudmila erstarrte und konnte nicht glauben, was sie gehört hatte.

Die Dreistigkeit war so ungeheuerlich, dass ihr die Worte im Hals stecken blieben.

— Was? — brachte sie nur hervor.

— Das… das ist nicht seine Wohnung.

— Stell dich nicht dumm, — mischte sich Roman ein, ging ins Zimmer und warf die Schlüssel auf das kleine Tischchen, genau auf jenes, das Ljudmila mit eigenen Händen restauriert hatte.

— Ich habe mich mit der Eigentümerin geeinigt.

— Der Vertrag läuft auf mich.

— Du bist hier niemand, Ljuda.

— Nur eine Mitbewohnerin auf Gnaden, die ich aus Mitleid ertragen habe.

— Und jetzt habe ich ein neues Leben.

— Mit einer echten Frau und nicht mit Nähzubehör.

Er ging zum Schrank und begann, Ljudmilas Sachen auf den Boden zu werfen.

Kleider, ordentlich gefaltete Stoffstapel, Schachteln mit Garn — alles flog auf einen Haufen und verwandelte sich in formlosen Müll.

— Hör auf! — schrie Ljudmila und stürzte zu ihm.

— Was machst du da?!

— Wag es nicht, meine Stoffe anzufassen!

Sie packte ihn am Arm und versuchte, ihn aufzuhalten.

Roman, gereizt vom Widerstand der Frau, die er für einen stummen Schatten gehalten hatte, drehte sich abrupt um.

— Hau ab! — brüllte er und schlug ihr mit voller Wucht ins Gesicht.

Das Geräusch der Ohrfeige war trocken und scharf.

Ljudmilas Kopf wurde zur Seite gerissen, ihre Wange brannte sofort wie Feuer.

Sie schwankte und stieß mit der Schulter gegen den Türrahmen.

Ihr wurde schwarz vor Augen, aber nicht vor Schmerz, sondern vor der Erkenntnis: Der Mensch, den sie geliebt hatte, hatte gerade eine Grenze überschritten, hinter der es kein Zurück mehr gab.

Verängstigt und gedemütigt rannte sie ins Badezimmer und schloss die Tür ab.

— Heul nur, heul nur! — schrie Roman hinter der Tür und steigerte sich immer weiter hinein.

— Pack deinen Kram und verschwinde von hier!

— Inga, hilf mir, diesen Müll einzupacken!

Man hörte, wie Inga lachte, mit Tüten raschelte und wie sie besprachen, wohin sie, Inga, ihren Schminktisch stellen würden.

Ljudmila rutschte an der gefliesten Wand hinunter und umklammerte ihre Knie mit den Armen.

Tränen schnürten ihr die Kehle zu, doch durch den Schleier der Angst begann etwas Neues zu wachsen, kalt und scharf wie eine Stahlnadel.

Wut.

Eine Stunde verging.

Das Poltern hinter der Tür ließ nicht nach.

Plötzlich ertönte ein neues Klingeln an der Tür.

Roman, der sicher war, dass es die Möbelpacker oder die Pizzalieferung waren, ging lässig öffnen.

Auf der Schwelle stand Warwara Petrowna.

Nicht die freundliche Tante, wie Ljudmila sie aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte, sondern eine monumentale Frau mit der Haltung eines Generals und einem Blick, der Stahl verbiegen konnte.

Sie war einen Tag früher aus dem Sanatorium zurückgekehrt.

— Was geht hier vor? — ihre Stimme war leise, aber gerade deshalb noch furchterregender.

Roman, der die „Eigentümerin“ nie persönlich gesehen hatte, weil er das Geld auf eine Karte überwiesen und die Schlüssel vor zwei Jahren über einen Makler bekommen hatte, erkannte sie nicht.

Für ihn war sie einfach irgendeine aufdringliche alte Frau.

— Zieh Leine, Mutter, — warf er ihr frech entgegen und versperrte den Durchgang.

— Wir ziehen hier um.

— Du hast dich in der Tür geirrt.

Warwara Petrowna schob ihn schweigend mit ihrer kräftigen Hand beiseite, als wäre er eine Pappfigur, und trat ein.

Ihr Blick fiel auf den Berg von Sachen auf dem Boden, auf die grinsende Inga, die vor dem Spiegel Ljudmilas Hut anprobierte, und schließlich auf die halb geöffnete Badezimmertür, aus der ihre Nichte mit einem dunkelroten Handabdruck auf der blassen Wange hervorsah.

Warwara Petrownas Gesicht versteinerte.

— Hast du sie geschlagen? — fragte sie und wandte sich Roman zu.

— Was geht dich das an, Alte? — fuhr Roman sie an.

— Das ist meine Frau, ich erziehe sie, wenn ich will!

— Und überhaupt, verschwinde von hier, bevor ich…

Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden.

Warwaras Hand, schwer und bäuerlich, an Arbeit gewöhnt, beschrieb einen Bogen.

Die Ohrfeige war so stark, dass Romans Zähne aufeinanderklapperten und Blut wie eine Fontäne aus seiner Nase spritzte, das sofort sein schneeweißes Hemd überflutete.

— Du! — kreischte Inga und stürzte sich mit den Fäusten zur Verteidigung ihres „Versorgers“.

— Was machst du da, du Verrückte?!

Das war ein Fehler.

Warwara Petrowna fing den Arm des Mädchens ab, zog sie zu sich heran, packte sie an den Haarverlängerungen und schleifte sie zum Ausgang wie ein ungezogenes Kätzchen.

— Raus! — brüllte sie.

Inga flog ins Treppenhaus und blieb mit ihrem zerrissenen Kleid am Geländer hängen.

Direkt hinter ihr rollte Roman, nachdem er einen kräftigen Tritt in den Hintern bekommen hatte, kopfüber die Stufen hinunter und zählte mit seinen Rippen die Treppenabsätze.

— Dass ich euch hier nie wieder sehe! — Warwara schlug die Tür zu und atmete schwer.

Ljudmila kam aus dem Badezimmer.

Sie weinte nicht mehr.

Sie sah auf die Tür, hinter der ihre Peiniger jammerten, und spürte, wie in ihr eine eisige Welle aufstieg.

Die Angst war verschwunden.

Geblieben war nur Berechnung.

Teil 3. Die Werkstatt der erstarrten Zeit

In dem kleinen Studio, das Ljudmila in einem halben Kellergeschoss gemietet hatte, herrschte perfekte Ordnung.

Hier gab es keinen Platz für Chaos.

Warwara Petrowna saß auf dem kleinen Sofa und hielt Eis an ihre geschwollenen Fingerknöchel.

— Was für ein Abschaum, — stellte die Tante fest und nahm einen Schluck starken Tee.

— Man hätte die Polizei rufen und ihn wegen Körperverletzung anzeigen sollen.

— Nein, — Ljudmilas Stimme war gleichmäßig und frei von Emotionen.

Sie saß am Zuschneidetisch und schärfte ihre Schneiderschere.

Schsch-schsch.

Das Geräusch war hypnotisch.

— Die Polizei ist langwierig, mühsam und, wenn man seine Wendigkeit kennt, sinnlos.

— Er zahlt eine Geldstrafe, und das war’s.

— Ich brauche etwas anderes.

— Was genau, meine Liebe? — Warwara sah ihre Nichte interessiert an.

Sie hatte Ljuda immer für zu weich gehalten, aber jetzt war in ihren Augen genau jenes Funkeln erschienen, das ihr Frontkämpfer-Großvater vor einer Schlacht gehabt hatte.

— Er liebt zwei Dinge: Geld und Bewunderung, — sagte Ljudmila und prüfte die Spitze der Klinge.

— Er hat mein Selbstwertgefühl zerstört, er hat mich geschlagen, er wollte mich auf die Straße setzen.

— Ich will ihm alles nehmen, was sein Wesen ausmacht.

— Seinen Ruf.

— Sein Geld.

— Seine Zukunft.

— Und wie willst du das machen?

— Er ist doch nur ein hohler Hochzeitsmoderator.

— Er hat bald den „Auftrag seines Lebens“.

— Er hat Inga davon erzählt, während sie meine Sachen herumgeworfen haben.

— Das Jubiläum des Besitzers der Hotelkette „Imperial“.

— Roman glaubt, dass man ihn wegen seines Talents ausgewählt hat.

— Aber ich weiß, dass die Ausschreibung noch nicht abgeschlossen ist.

— Und der Anzug… — Ljudmila lächelte, und dieses Lächeln war kalt und böse.

— Er ist sicher, dass er seinen „Glücks-Smoking“, den ich genäht habe, bei sich hat.

— Aber er hat vergessen, dass ich das Futter nicht fertiggestellt habe.

— Und noch wichtiger ist, dass die Organisatorin des Jubiläums die Agentur deiner alten Freundin ist, Tante Warja.

— Die von Tatjana Iljinitschna.

Warwara Petrowna grinste und verstand, worauf ihre Nichte hinauswollte.

— Tanja?

— Sie schuldet mir etwas.

— Ich habe ihr einmal geholfen, ihr Geschäft vor Erpressern zu retten.

— Ich brauche, dass Roman diesen Auftrag bekommt.

— Unbedingt bekommt.

— Aber mit einer Bedingung im Vertrag.

— Mit einem besonderen Punkt über Reputationsrisiken und eine Vertragsstrafe, die ihn ruinieren wird, wenn etwas schiefgeht.

— Und schiefgehen wird alles, — Ljudmila rammte die Schere in die Tischplatte.

— Das garantiere ich ihm.

In ihr war keine fügsame Ehefrau mehr.

In ihr war eine Meisterin erwacht, die genau weiß, wo sich die schwächste Naht befindet, damit der Stoff beim geringsten Druck aufreißt und die hässliche Wahrheit freilegt.

Teil 4. Das Café „Süßes Gift“

In einem angesagten Lokal mit gedämpftem Licht feierten Roman und Inga ihren Sieg.

Roman saß mit einem Pflaster auf der Nase da, was ihm seiner Meinung nach das Aussehen eines Liebeshelden verlieh, der in einem Duell gelitten hatte.

— Diese Alte ist verrückt, wir werden sie verklagen! — zischte Inga und betrachtete ihren abgebrochenen Fingernagel.

— Aber das Wichtigste, Romtschik, ist der Vertrag!

— Du hast ihn unterschrieben!

Roman strich über die Mappe mit den Dokumenten, die auf dem Tisch lag.

— Ja, Baby.

— Tatjana Iljinitschna, die Organisatorin, ist eine seltsame Frau, aber sie zahlt unglaubliches Geld.

— Nur musste ich einen Haufen Papiere über Verantwortung unterschreiben.

— Angeblich VIP-Niveau, keine Pannen.

— Wenn ich es vermassle, ist die Strafe so hoch, dass ich meine Nieren verkaufen müsste.

— Aber ich bin doch ein Profi!

— Übrigens hat Ljuda mich angerufen.

— Diese da?

— Was will sie? — verzog Inga das Gesicht.

— Sie bat um ein Treffen.

— Sie sagt, sie wolle mir Manschettenknöpfe zurückgeben, die ich vergessen habe, und sich versöhnen.

— Ich habe zugestimmt.

— Soll sie sehen, wen sie verloren hat.

— Ich werde sie zum Abschied noch einmal demütigen, damit sie ihren Platz kennt.

Zehn Minuten später betrat Ljudmila das Café.

Roman erwartete, eine verweinte, gebrochene Frau in einem alten Pullover zu sehen.

Doch an den Tisch trat eine Fremde.

Perfekte Frisur, ein strenges, aber elegantes schwarzes Kleid, das wie eine angegossene Rüstung saß, und ein Blick — ruhig und durchdringend.

— Guten Abend, Roman, — sagte sie und setzte sich nicht, sondern blieb über ihnen stehen.

— Hast du sie mitgebracht? — brummte er und spürte eine unerklärliche Unruhe.

Ihm gefiel nicht, wie sie aussah.

Zu gut.

Zu unabhängig.

— Ja, — sie legte eine kleine Samtschachtel auf den Tisch.

— Und noch etwas.

— Ich weiß vom Jubiläum des „Imperial“.

— Bist du neidisch? — mischte sich Inga ein.

Ljudmila sah nicht einmal in ihre Richtung, als würde sie nicht existieren.

— Ich wollte dir nur sagen, Roman, dass du ein Detail vergessen hast.

— Dein Erfolg beruhte immer auf mir.

— Die Texte habe ich dir geschrieben.

— Die Kostüme habe ich dir genäht.

— Sogar deine Witze habe ich mir ausgedacht.

— Ohne mich bist du nur ein sprechender Kopf.

— Fahr zur Hölle! — Roman sprang auf und stieß dabei ein Weinglas um.

Der rote Fleck breitete sich auf der Tischdecke aus.

— Ich bin ein Star!

— Und du bist Bedienpersonal!

— Ich werde diesen Saal zum Beben bringen, alle werden vor Begeisterung auf dem Boden liegen!

— Natürlich, — Ljudmila neigte leicht den Kopf.

— Viel Glück.

— Du wirst es brauchen.

— Mehr, als du denkst.

Sie drehte sich um und ging, ihre Absätze klackten hell.

Roman sah ihr wütend nach.

Er wollte ihr nachlaufen, sie erneut schlagen, diesen Ausdruck der Überlegenheit aus ihrem Gesicht wischen, doch überall waren Menschen.

„Schon gut“, dachte er.

„Übermorgen bekomme ich mein Honorar, kaufe eine neue Wohnung, ein Auto, und dann werden wir sehen, wer hier wen besiegt.“

Er wusste nicht, dass in diesem Moment der Mechanismus der Falle bereits zugeschnappt war.

Teil 5. Der Bankettsaal des Zusammenbruchs

Der Festsaal glänzte in Gold und Kristall.

Das Jubiläum des Besitzers von „Imperial“ war das Ereignis des Jahres in der Stadt.

Hunderte Gäste, Presse, die Geschäftselite.

Roman stand hinter den Kulissen und schwitzte in genau diesem Smoking.

Er fühlte sich wie ein König.

Inga saß in der ersten Reihe, in einem aufreizend grellen Kleid, und filmte Storys.

— Meine Damen und Herren! — Romans Stimme donnerte durch den Saal.

Er stürmte auf die Bühne und strahlte mit einem breiten Lächeln.

— Wir beginnen unsere unvergessliche Reise!

Die ersten dreißig Minuten verliefen glatt.

Roman streute vorbereitete Witze ein, die er aus dem Internet heruntergeladen hatte, weil Ljuda ihm keine mehr schrieb, und die Gäste lächelten höflich.

Doch die Spannung wuchs.

Ljudmila beobachtete das Geschehen vom Balkon aus, verborgen im Schatten eines Vorhangs.

Neben ihr standen Warwara Petrowna und Tatjana Iljinitschna, die Organisatorin.

— Ist es Zeit? — fragte Tatjana.

— Ja, — nickte Ljudmila.

Roman kündigte die Hauptnummer an — eine Video-Glückwunschbotschaft von Partnern.

Auf der riesigen Leinwand hinter seinem Rücken sollte ein rührendes Video erscheinen.

Der Bildschirm leuchtete auf.

Doch statt der Partner sah der Saal… die Garderobe.

Die Aufnahme war nur eine Stunde zuvor mit einer versteckten Kamera gemacht worden.

Auf der Leinwand stand Roman, richtete seine Krawatte und sprach mit jemandem am Telefon:

„Mir ist dieser alte dicke Jubiläumsheini völlig egal!“

„Hauptsache, ich kassiere die Kohle.“

„Das sind hier alles dumme Geldbeutel.“

„Gleich saufen sie sich voll, und dann kann man ihnen sogar ,Murka‘ vorsingen.“

„Und diese Organisatorin, diese Tanja, ist eine alte Henne, die den Vertrag nicht einmal richtig gelesen hat.“

„Ich habe sie alle reingelegt.“

„Ich ziehe diese Schlamperei durch und verschwinde nach Thailand.“

Im Saal hing eine grabesstille Stille.

Roman wurde auf der Bühne kreidebleich.

Er drehte sich zur Leinwand um und fuchtelte mit den Händen.

— Schaltet das aus!

— Das ist eine Montage!

— Das ist ein Deepfake!

Doch das Video lief weiter.

Nun sprach Roman auf dem Bildschirm über Inga:

„Diese dumme Inga geht mir schon auf die Nerven.“

„Lange Beine, aber kein Gehirn.“

„Sobald ich das Geld habe, werde ich sie los.“

„Ich finde mir eine Jüngere.“

In der ersten Reihe sprang Inga auf, ihr Gesicht war vor Wut verzerrt.

Sie schleuderte ihr Handy nach Roman und traf ihn direkt an der Stirn.

— Du Mistkerl! — ihr Kreischen hallte ohne Mikrofon durch den Saal.

Doch das war erst der Anfang.

Langsam betrat der Jubilar die Bühne — ein solider Mann mit grauem Bart, ein alter Freund von Warwara Petrowna.

Er nahm dem zitternden Roman das Mikrofon ab.

— Junger Mann, — sagte er mit eisigem Ton.

— Haben Sie mich „alten dicken Heini“ genannt?

— Ich… ich… das war nicht ich! — stammelte Roman und wich zurück.

Ein Schritt, noch einer.

Es ertönte ein Reißen.

Genau jene Naht an der Hose, die Ljudmila „nicht fertiggenäht“ hatte — oder genauer gesagt, die sie an einer strategisch wichtigen Stelle aufgetrennt und mit einem schwachen Faden befestigt hatte.

Bei Romans ruckartiger Bewegung platzte die Hose hinten auf und riss vom Bund bis zu den Knien auseinander.

Zum Vorschein kamen leuchtend rote Unterhosen mit Entchen — ein Geschenk von Inga.

Der Saal explodierte vor Gelächter.

Es war kein höfliches Lachen, sondern ein vernichtendes, zertrampelndes Grölen.

In diesem Moment trat Tatjana Iljinitschna mit einer Mappe in der Hand auf die Bühne.

— Gemäß Punkt 14.5 des von Ihnen unterzeichneten Vertrages, Roman Sergejewitsch, zieht eine öffentliche Beleidigung des Auftraggebers und der Gäste sowie die Störung der Veranstaltung durch Verschulden des Moderators eine Geldstrafe in Höhe des Zehnfachen des Vertragswertes nach sich, außerdem die Entschädigung des moralischen Schadens aller anwesenden Gäste.

— Was?! — kreischte Roman und bedeckte sein Hinterteil mit den Fetzen seines Fracks.

— Ich habe nicht so viel Geld!

— Dann lassen wir Ihr gesamtes Vermögen pfänden, — fuhr Tatjana ruhig fort.

— Außerdem kommen Sie aufgrund des nachgewiesenen Betrugs und der Beleidigungen auf die schwarze Liste aller Agenturen des Landes.

— Ab diesem Moment ist Ihre Karriere beendet.

Inga rannte bereits zum Ausgang, ohne sich auch nur umzusehen.

Roman blieb allein auf der Bühne zurück — halbnackt, gedemütigt, ruiniert und im Visier von Hunderten Handykameras.

Ljudmila sah von oben darauf hinab.

Sie empfand kein Mitleid.

Nur kalte Genugtuung darüber, dass das Gleichgewicht wiederhergestellt war.

Plötzlich hob Roman den Kopf und sah sie auf dem Balkon.

Neben ihr stand Warwara — genau jene „Tante“, die ihn hinausgeworfen hatte.

Langsam begann er zu begreifen.

Die Wohnung.

Der Auftrag.

Der Vertrag.

All das waren Glieder einer einzigen Kette.

— Du… — flüsterte er lautlos.

Ljudmila nickte ihm nur kaum merklich zu und wandte sich ab, um zu gehen.

*

Der Epilog war kurz und grausam für Roman.

Das Gericht verurteilte ihn zur Zahlung einer gewaltigen Summe.

Das Auto und die Technik wurden von Gerichtsvollziehern beschlagnahmt.

Inga verschwand noch am selben Abend und nahm alles mit, was man in den Händen tragen konnte, einschließlich seines teuren Parfüms.

Roman stand im Regen an einer Bushaltestelle.

In seiner Tasche war nichts, auf seinem Handy waren Tausende Flüche in den sozialen Netzwerken.

Er war berühmt geworden, so wie er es immer geträumt hatte.

Aber als der erbärmlichste Verlierer der Stadt.

Ein teures Auto fuhr vorbei.

Am Steuer saß Ljudmila, selbstbewusst, schön, eine Geschäftsfrau, die mit Warwaras Geld, das in das Talent ihrer Nichte investiert worden war, ihr eigenes Modehaus eröffnet hatte.

Sie sah nicht einmal in Richtung der nassen Gestalt an der Haltestelle.

Er hatte geglaubt, sie sei nur der Hintergrund seines Lebens.

Doch es stellte sich heraus, dass sie die Regisseurin war, die einfach lange auf den passenden Moment für die letzte Szene gewartet hatte.