— Sie stehen nicht auf der Liste der eingeladenen Gäste, sagte die Ehefrau und schlug ihrem Schwiegervater die Tür vor der Nase zu.

Teil 1.

Die Architektur des Geschmacks und die Geometrie der Lüge.

In der Küche roch es nach verbranntem Rosmarin und nach einer komplexen, kaum wahrnehmbaren Säure von fermentiertem Moos.

Savva bewegte sich zwischen den verchromten Oberflächen wie ein Chirurg, der beschlossen hatte, sich zum Alchemisten umschulen zu lassen.

Er kochte nicht einfach — er konstruierte eine Realität, in der Entenconfit sich unbedingt mit Moltebeergelee anfreunden musste.

Die Pinzette in seiner Hand zitterte nicht.

Etwas anderes zitterte, tiefer, irgendwo in der Gegend des Zwerchfells, aber er schob es auf die Vorfreude auf den Abend.

Galina saß im Wohnzimmer, umgeben von einer Aura aus Papierstaub und altem Gold.

Sie arbeitete als Kassiererin, aber nicht in einem Supermarkt mit piependen Scannern, sondern im Antiquitätengeschäft „Chronos“, wo Geld mit derselben Feierlichkeit entgegengenommen wurde, mit der ein Priester eine Beichte entgegennimmt.

Ihre Welt bestand aus Katalogen, Lupen und makelloser Buchführung.

Sie hasste Chaos genauso sehr, wie Savva ein zu stark gebratenes Steak hasste.

— Tafelsilber oder Neusilber? fragte sie, ohne sich umzudrehen.

Ihre Stimme war glatt wie die Oberfläche eines Sees an einem windstillen Tag.

— Neusilber.

Es ist ehrlicher, antwortete Savva, während er den letzten Soßenstrich auf den Teller setzte.

— Galja, du erinnerst dich doch an unsere Abmachung?

— Keine Verwandten.

Nur wir, Alina mit ihrem Mann und dieser seltsame Künstler, den du auf der Ausstellung aufgelesen hast.

Meiner Mutter habe ich gesagt, dass wir nach Bali fliegen.

Virtuell natürlich.

Sie war beleidigt, aber das ist ihr Dauerzustand.

Savva erstarrte.

Die Pinzette klirrte gegen den Tellerrand.

— Ja.

Ausgezeichnet.

Meine… meine Mutter kommt auch nicht.

Ich habe sie heute Morgen angerufen.

Ich habe gesagt, dass wir Quarantäne haben.

Windpocken.

Bei mir.

— Mit fünfunddreißig? Galina hob endlich den Kopf.

Ihr Blick, der daran gewöhnt war, falsche Münzen aus der Zeit Nikolaus’ II. zu unterscheiden, glitt über den Rücken ihres Mannes.

— Savva, du schwitzt.

— Dampf vom Sous-vide, antwortete er schnell und stellte die Dunstabzugshaube auf volle Leistung.

Das Motorengeräusch verschluckte seinen schweren Seufzer.

Savva log.

Er log stümperhaft, wie ein Praktikant, der einen Trüffel gestohlen hatte.

Eleonora Vitaljewna, seine Mutter, akzeptierte keine Ablehnung.

Für sie war das Wort „nein“ lediglich ein Signal zum Beginn von Kampfhandlungen.

Sie „fürchtete“ ihren Sohn nicht ein wenig, wie er es gern seinen Freunden erzählte.

Sie wusste einfach, dass er weicher Ton war.

Galina aber hasste sie mit jenem reinen, destillierten Hass, den verarmte Aristokraten gegenüber Neureichen empfinden, die ihr Familienanwesen gekauft haben.

Für sie war Galina „die Kassiererin“, „die Buchhalterin“, ein Missverständnis in der Biografie ihres genialen Jungen.

Und Albert Konstantinowitsch, der Vater, war ein Anhängsel seiner Frau, eine Art Koffer ohne Griff, den sie überall mit sich herumschleppte.

Wenn Eleonora ein Rammbock war, dann war Albert ein Belagerungsturm, schweigend und schwerfällig.

Savva wusste, dass sie kommen würden.

Seine Mutter hatte vor einer Stunde angerufen, bereits aus dem Taxi.

Und er hatte, statt sich schützend vor sein Zuhause zu stellen, etwas Unverständliches von einer „kaputten Gegensprechanlage“ gemurmelt.

Die Angst vor dem mütterlichen Skandal wog schwerer als der Respekt vor seiner Frau.

Er hoffte auf Glück.

Darauf, dass Galina, sobald sie die Gäste sah, vor Fremden keine Szene machen würde.

Sie würde es schlucken.

Sie würde es ertragen.

Wie immer.

Schließlich liebte sie ihn.

Und Liebe bedeutete nach Savvas Verständnis vor allem Bequemlichkeit und die Fähigkeit, Gemeinheit zu verzeihen, die als Schwäche getarnt war.

Teil 2.

Fehler in den Berechnungen.

Die Gäste trafen Punkt sieben ein.

Der Künstler Arkadij brachte den Geruch von Ölfarbe und eine Flasche mit irgendeinem trüben, hausgemachten Getränk mit.

Alina und ihr Mann brachten das übliche Set aus gesellschaftlichem Klatsch und teurer Schokolade mit.

Galina war großartig.

In ihrem strengen dunkelblauen Kleid erinnerte sie an eine Figur aus Edelstein — kalt, hart und makellos.

Sie schenkte Wein ein, hielt das Gespräch über fallende Aktien und steigende Kunstpreise am Laufen, doch ihr inneres Radar scannte weiter den Raum.

Savva war unruhig.

Immer wieder lief er in die Küche, angeblich um das Dessert zu überprüfen, in Wirklichkeit aber hypnotisierte er den Bildschirm seines Smartphones.

— Dein Mann ist heute nicht er selbst, bemerkte Alina, während sie ein Stück getrocknete Ente auf die Gabel spießte.

— Er erschafft Meisterwerke, sieht aber blass aus wie dieser Spargel.

— Kreative Krise, antwortete Galina ruhig.

— Oder die Erwartung einer Katastrophe.

So sieht er aus, wenn er vergessen hat, das Bügeleisen auszuschalten, aber schon zur Arbeit gefahren ist.

In diesem Moment klingelte die Gegensprechanlage nicht.

Sie gab eher ein Geräusch von sich, das dem letzten Röcheln der Hoffnung ähnelte.

Savva ließ die Serviette fallen.

— Wer könnte das sein? fragte der Künstler in gesellschaftlichem Ton und leerte sein Glas.

— Wahrscheinlich eine Lieferung, piepste Savva und stürzte zum Hörer.

Galina beobachtete ihn.

Sie sah, wie sich seine Schultern anspannten.

Wie er, ohne den Hörer abzunehmen, den Knopf zum Öffnen der Haustür drückte.

Ohne zu fragen: „Wer ist da?“.

— Savva? Ihre Stimme klang leise, übertönte aber sogar das Brummen der Spülmaschine.

— Erwarten wir jemanden?

Die Lieferung war heute Morgen.

Er drehte sich um.

Sein Gesicht bekam rote Flecken.

— Galja, Liebling… Es ist so.

Mama… sie sind auf der Durchreise.

Buchstäblich nur für eine Minute.

Ich konnte nicht nicht öffnen.

Sie sagte, sie müsse auf die Toilette.

Und ihre Medizin einnehmen.

— Auf der Durchreise aus einer anderen Stadt? fragte Galina präzisierend.

— Zu uns in den neunten Stock?

Auf die Toilette?

— Fang jetzt nicht an, Savva versuchte zu lächeln, doch es wurde eine schmerzhafte Grimasse.

— Wir sind doch zivilisierte Menschen.

Sie sitzen kurz still da, essen etwas und gehen.

Du hast versprochen, deine Mutter nicht einzuladen.

Und sie ist nicht hier.

Aber meine… das ist höhere Gewalt.

— Du wusstest es, sagte sie.

Das war keine Frage.

Das war eine Feststellung, trocken wie ein Bericht des Finanzamts.

— Ich habe es vor einer halben Stunde erfahren! log er wieder.

— Galja, bitte.

Mir zuliebe.

Blamiere mich nicht vor den Gästen.

Halte einfach ein paar Stunden durch.

Im Flur war bereits das Geräusch des Aufzugs zu hören.

Schwere Schritte im Treppenhaus.

Stimmen, die nicht von Zweifeln an der eigenen Erwünschtheit belastet waren.

— Ich habe dir doch gesagt, Savvuschka, dass euer Aufzug nach Katzenurin stinkt!

Das nennt sich also ein Elitehaus! donnerte Eleonora Vitaljewnas Stimme, noch bevor sie die Tür erreicht hatten.

Savva sprang los, um zu öffnen, und versuchte mit seinem Körper den Gästen im Wohnzimmer die Sicht zu versperren, als könnte das helfen.

Teil 3.

Intervention ohne Kriegserklärung.

Die Tür flog auf.

Auf der Schwelle stand Eleonora Vitaljewna — eine Monument-Frau in Lurex und mit einer Frisur, die an eine architektonische Übertreibung der Stalinzeit erinnerte.

Neben ihr schnaufte Albert Konstantinowitsch und hielt eine karierte Tasche in den Händen, aus der der Schwanz eines geräucherten Fisches ragte — ein monströser Missklang zur Molekularküche seines Sohnes.

— Na, grüß dich, mein Sohn! Eleonora trat ein, ohne auf eine Einladung zu warten, und rümpfte sofort die Nase.

— Was stinkt denn hier so?

Verbrennt Galka wieder ihre Räucherstäbchen?

Oder hast du das Essen verdorben?

— Mama, leiser, wir haben Leute hier… zischte Savva und wich zurück.

— Leute?

Und was sind wir, keine Menschen? Sie warf theatralisch die Hände hoch.

— Albert, hast du das gehört?

Sie schämen sich für uns!

Die eigene Mutter lassen sie auf der Schwelle stehen!

Sie bewegte sich vorwärts und schob ihren Sohn mit der Hüfte beiseite, wie ein Eisbrecher eine Eisscholle.

Albert drängte sich schnaufend hinter ihr hindurch.

Galina kam in den Flur.

Sie verschränkte nicht die Arme vor der Brust und presste nicht die Lippen zusammen.

Sie stand entspannt da und hielt in einer Hand das Tablet, mit dem sie das Servieren der Gerichte kontrollierte.

— Guten Abend, Eleonora Vitaljewna, Albert Konstantinowitsch, sagte sie.

Ihr Ton war vollkommen höflich, aber ihm fehlte jede Gastfreundschaft.

Es war der Ton einer Hotelrezeptionistin, die mitteilt, dass die Karte des Gastes gesperrt wurde.

— Ah, da ist sie ja endlich, schnaubte die Schwiegermutter, ohne ihre Schwiegertochter auch nur anzusehen, und begann sofort, den Kleiderständer mit den Mänteln der Gäste zu mustern.

— Ganz schön viele Klamotten aufgehängt.

Alles reiche Leute, was?

Savva, mein Sohn, nimm die Tasche.

Da ist Fisch drin, echter Fisch, nicht deine Chemie.

Schneide ihn schnell auf.

— Mama, wir können nicht… da sind Gäste, unser Abendessen ist geplant… begann Savva, doch seine Stimme brach.

Er sah Galina flehend an.

„Tu etwas, gib nach, beug dich, rette mich“, stand in seinen Augen.

Eleonora Vitaljewna knöpfte bereits ihren Mantel auf.

— Sein Abendessen ist geplant.

Ein Witz.

Dein Vater und ich sind hungrig von der Fahrt.

Deine Gäste rücken eben zusammen.

Galja, warum stehst du da wie eine Statue?

Bring Hausschuhe.

Meine Füße sind geschwollen.

Savva zuckte in Richtung Schuhschrank.

— Stehen bleiben, sagte Galina leise.

Dieses Wort klang nicht wie ein Befehl, sondern wie das Klicken einer Sicherung.

Savva erstarrte.

Die Schwiegermutter drehte langsam den Kopf, ihre Augenbrauen wanderten nach oben und sammelten sich zu einer Angriffslinie.

— Was hast du gesagt?

— Ich habe Savva gesagt, er soll stehen bleiben.

Und Sie, Eleonora Vitaljewna, sollten den Mantel nicht ausziehen.

— Bist du noch bei Verstand, Kindchen? Die Schwiegermutter lächelte raubtierhaft.

— Wen jagst du aus dem Haus?

Die Mutter deines Mannes?

Savva, hörst du, wie diese Krämerin mit mir spricht?

Savva drückte sich an die Wand.

Jetzt musste der Sturm losbrechen.

Er erwartete Schreie, Tränen und gegenseitige Beleidigungen, bei denen er wie immer die Seite seiner Mutter wählen würde, um sich dann nachts flüsternd bei seiner Frau zu entschuldigen.

Das war das vertraute Drehbuch.

Aber Galina schrie nicht.

Sie schaltete den Bildschirm des Tablets ein.

— Savva, wandte sie sich an ihren Mann und ignorierte das purpurrot werdende Gesicht der Schwiegermutter.

— Für heute ist ein geschlossener gastronomischer Abend geplant.

Die Anzahl der Portionen ist streng begrenzt.

Die Anzahl der Sitzplätze ebenfalls.

— Deine Portionen sind mir völlig egal! empörte sich Eleonora.

— Albert, komm rein!

Der Vater ihres Mannes machte einen Schritt nach vorn.

Teil 4.

Das Ausschlussprotokoll.

Galina machte eine kaum merkliche Bewegung und versperrte den Durchgang zum Wohnzimmer.

— Albert Konstantinowitsch, ich muss Sie aufhalten.

Der Zutritt zu diesem Teil der Wohnung ist heute nur mit Einladung gestattet.

Aus dem Wohnzimmer lugte der Künstler Arkadij neugierig hervor und kaute auf einem Selleriestängel.

— Was für einen Zirkus veranstaltest du hier? zischte Savva, rannte zu seiner Frau und packte sie am Ellbogen.

— Galja, hör auf.

Das sind meine Eltern.

Wir finden schon einen Teller für sie.

Sie können in der Küche sitzen, wenn dir das so wichtig ist!

Galina befreite ihren Ellbogen sanft, aber entschlossen.

Sie sah ihren Mann an, als sähe sie ihn unter einem Mikroskop, und die entdeckte Probe hätte sie enttäuscht.

— Savva, wir hatten eine Abmachung.

Eine Vereinbarung ist die Grundlage jeder Interaktion.

Du hast die Bedingungen der Abmachung verletzt.

Du hast mich heute Morgen belogen.

Du hast mich jetzt belogen.

Du wusstest, dass sie kommen würden, und hast gehofft, dass ich wie immer „Verständnis zeige“.

Dass ich die Demütigung schlucke, wenn dein Vater die ganze Wohnung nach Fisch riechen lässt und deine Mutter meinen Freunden erzählt, dass ich keine Hemden bügeln kann.

— Was für eine Schlampe du bist… hauchte Eleonora Vitaljewna, als sie begriff, dass ihre übliche Drucktaktik ins Stocken geriet.

— Savva!

Bist du ein Mann oder ein Lappen?

Deine Mutter wird ins Treppenhaus geworfen!

Schlag sie!

Setz sie an ihren Platz!

Savva stand da, hin- und hergerissen zwischen der Angst vor seiner Mutter und der eisigen Ruhe seiner Frau.

Die Angst siegte.

— Galja, du übertreibst, sagte er und versuchte, seiner Stimme Härte zu verleihen.

— Mama bleibt.

Papa bleibt.

Das ist auch mein Zuhause.

— Richtig, nickte Galina.

— Dein Zuhause.

Aber die Veranstaltung organisiere ich.

Ich habe für die Lebensmittel bezahlt.

Ich habe die Gästeliste erstellt.

Ich sorge für die Logistik.

Sie richtete den Blick auf die Schwiegermutter.

In ihren Augen war keine Wut, nur Ekel.

— Eleonora Vitaljewna, Sie respektieren mich nicht.

Sie verachten meinen Mann und betrachten ihn als Ihr Eigentum.

Sie sind nicht hierhergekommen, um ihn zu besuchen, sondern um Ihr Revier zu markieren wie ein Rüde an einem Baum.

Aber heute ist das Revier wegen Sonderbetrieb geschlossen.

— Fahr doch zur… begann Albert Konstantinowitsch und erhob zum ersten Mal die Stimme.

— Die Liste, unterbrach ihn Galina und tippte mit dem Finger auf das Tablet.

— Arkadij Werner.

Alina und Sergej Gromow.

Der Name „Savvas Eltern“ steht nicht auf der Liste.

— Ich rufe jetzt die Polizei! schrie die Schwiegermutter.

— Meine Schwiegertochter schlägt mich!

— Hier sind Kameras, sagte Galina ruhig und zeigte auf das kleine Auge unter der Flurdecke.

— Sie zeichnen Ton und Bild auf.

Sie sind ohne Einladung eingedrungen und beleidigen die Hausherrin.

Als Kassiererin bin ich sehr aufmerksam, was Dokumentation betrifft.

Juristisch gesehen sind Sie ungebetene Gäste, die die öffentliche Ordnung stören.

Sie wandte sich ihrem Mann zu.

— Savva, du hast die Wahl.

Entweder du begleitest deine Eltern jetzt hinaus, und wir besprechen diesen Vorfall morgen in ruhiger Atmosphäre, oder du lässt sie herein.

Aber dann gehe ich.

Zusammen mit den Gästen.

Und dieser Abend, den du drei Monate vorbereitet hast, verwandelt sich in eine Farce mit geräuchertem Fisch.

Savva sah seine Mutter an.

Sie stand da, aufgeblasen wie ein Kugelfisch.

Dann sah er seinen Vater mit dessen lächerlicher Tasche an.

Dann Galina.

— Galja, man kann doch nicht so… Sie sind alte Leute… jammerte er.

Er hatte seine Wahl getroffen.

Er wählte den vertrauten Sumpf und hoffte, Galina bluffe.

Galina nickte.

— Ich habe dich verstanden.

Sie trat einen Schritt zurück in den Flur und ließ sie passieren.

— Bitte, treten Sie ein.

Eleonora Vitaljewna schnaubte triumphierend und ging vorwärts, wobei sie Galina mit der Schulter anstieß.

Albert trottete hinterher.

Savva atmete aus und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

— Danke, Liebling, ich wusste, dass du…

Galina hörte nicht zu.

Sie ging an ihnen vorbei zur Eingangstür.

Sie nahm ihre Schlüssel vom Schränkchen.

— Wohin gehst du? fragte Savva verständnislos.

— Arkadij!

Alina!

Sergej! rief sie laut.

Die Gäste strömten in den Flur.

— Der Abend wird ins Restaurant „Plato“ verlegt, verkündete Galina ruhig.

— Ich habe vorsichtshalber einen Tisch reserviert.

Mein Mann hat beschlossen, ein Familienessen mit seinen Eltern zu veranstalten.

Wir wären überflüssig.

Fahren wir.

Ich lade ein.

— Was? Savva wurde bleich.

— Galja, das kannst du nicht…

— Habe ich schon.

Die Gäste, taktvolle Menschen, aber nicht ohne Liebe zum Drama, fanden sich schnell zurecht.

Der Fischgeruch aus Albert Konstantinowitschs Tasche hatte bereits begonnen, den Raum zu erobern, und die Aussicht, molekularen Schaum unter Begleitung einer skandalösen Tante zu schlucken, reizte sie nicht.

— Hervorragende Idee, sagte Arkadij und griff nach seinem Mantel.

— Savva, Bruder, nichts für ungut.

Geräucherte Makrele ist ein starker Zug, aber nicht heute.

Eleonora Vitaljewna erstarrte mitten im Flur.

Ihr Triumph zerfiel zu Staub.

Sie blieb in der Wohnung, aber das Publikum ging.

— Du verlässt deinen Mann? kreischte sie.

— Ich befreie ihn von der Notwendigkeit zu wählen, antwortete Galina.

Sie öffnete die Tür und ließ die Gäste auf den Treppenabsatz hinaus.

— Galja! rief Savva und stürzte zu ihr.

— Warte!

Ich komme mit euch!

Mama, Papa, geht!

Ich meine es ernst!

— Zu spät, Savva, sagte Galina.

— Du hast deine Wahl getroffen.

Iss dein Fischlein.

Teil 5.

Die Bilanz ist ausgeglichen.

Savva stand in der Tür und wagte nicht, die Schwelle zu überschreiten.

Hinter seinem Rücken kreischte seine Mutter und verfluchte den Tag, an dem er geboren worden war.

Vor ihm stand seine Frau, die er sich angewöhnt hatte, als bequeme Funktion seines Alltags zu betrachten.

Er versuchte, ihre Hand zu greifen, doch sie wich zurück.

— Ich komme spät zurück, sagte sie.

— Oder ich komme gar nicht zurück.

Ich übernachte im Hotel.

Und du… räum hier auf.

Und bis ich zurückkomme, darf weder der Geruch noch diese Menschen hier sein.

Sie trat auf den Treppenabsatz hinaus.

Savva machte instinktiv einen Schritt hinter ihr her.

— Galja, warte!

Blamiere mich nicht!

Er sprang ins Treppenhaus hinaus, nur in Socken, mit einer Schöpfkelle in der Hand, die er in der Aufregung vergessen hatte.

— Kinder, wohin geht ihr? drang Albert Konstantinowitschs tiefe Stimme aus dem Flur.

Der Vater, der die Situation nicht verstanden hatte, beschloss, in den Korridor zu spähen, in den Händen einen angebissenen Fischschwanz, von dem Fett auf das Parkett tropfte.

— Papa, tropf nicht! brüllte Savva und drehte sich um.

In diesem Moment nutzte Galina aus, dass ihr Mann den Bereich der Wohnung verlassen hatte, und tat das, womit niemand gerechnet hatte.

Sie ging nicht zum Aufzug.

Sie drehte sich um und zog mit einer blitzschnellen Bewegung die schwere Eingangstür zu sich heran.

— Sie stehen nicht auf der Liste der eingeladenen Gäste, sagte sie ruhig und blickte ihrem Schwiegervater in die Augen, in denen Entsetzen aufblitzte, während er im Hintergrund des Flurs zu sehen war.

Und sie schlug die Tür zu.

Das Klicken des Schlosses klang dumpf.

Savva blieb auf dem Treppenabsatz stehen.

In Socken.

Mit einer Schöpfkelle.

Vor ihm stand Galina und rückte ihre Handtasche zurecht.

— Du… du hast uns ausgesperrt? stammelte er.

— Mich?

— Dich, nickte sie.

— Hast du Schlüssel?

Savva klopfte die Taschen seiner Schürze ab.

Leer.

Telefon, Schlüssel — alles war drinnen auf dem Schränkchen geblieben.

— Galja, mach auf!

Meine Eltern sind da drin!

Sie werden die Wohnung verwüsten!

— Das sind deine Probleme, Savva.

Du wolltest mit ihnen sein?

Dann sei es.

Nur von draußen hätten sie dich weniger gestört.

— Aber ich komme nicht hinein!

— Mein Beileid.

Hinter der Tür ertönte ein dumpfer Schlag und Eleonora Vitaljewnas Schrei: „Sie haben uns eingesperrt!

Albert, brich die Tür auf!“.

Galina rief den Aufzug.

— Galja, lass mich wieder rein!

Ich werfe sie hinaus!

Ich schwöre!

— Du hast es schon versucht, sagte sie und trat in die Kabine.

Die Gäste waren bereits hinuntergefahren, sie war allein.

— Weißt du, ich wollte schon lange die Kasse unserer Beziehung nachzählen.

Der Fehlbetrag ist riesig, Savva.

Du bist bankrott.

— Wohin soll ich gehen? fragte er beinahe weinend.

Er sah erbärmlich aus: der berühmte Chefkoch wirkte wie ein verlorenes Kind.

— Zu Mama, Savva.

Sie werden die Tür gleich von innen öffnen, mach dir keine Sorgen.

Das Schloss ist nicht kompliziert.

Und übrigens, die Wohnung läuft auf meinen Namen.

Die Schenkungsurkunde meiner Großmutter, erinnerst du dich?

Ich gebe dir vierundzwanzig Stunden, um deine Sachen abzuholen.

Deine und die deiner Eltern.

— Galja!

Die Aufzugtüren begannen sich zu schließen.

Savva stürzte zu ihnen und versuchte, die Türflügel mit der Hand aufzuhalten, doch die Automatik funktionierte tadellos und glitt über das Metall.

Das Letzte, was er sah, war ihr Gesicht.

Ruhig.

Ein wenig müde.

Das Gesicht eines Menschen, der endlich eine schwierige, verworrene Bilanz abgeschlossen hatte und auf null herausgekommen war.

In der Wohnung hinter der Tür fiel etwas mit Krachen herunter.

Vielleicht war es die Vase aus der Ming-Dynastie, die Savva im vergangenen Jahr auf einer Auktion gekauft hatte.

Oder vielleicht war es einfach sein Leben, das in kleine, nicht restaurierbare Scherben zerbrach.

— Mutter!

Mach auf! begann er gegen seine eigene Tür zu trommeln.

Hinter der Tür herrschte Chaos.

Und Galina fuhr nach unten, in Stille und Kühle, und spürte, wie ihr mit jedem Stockwerk das Atmen leichter fiel.

Als hätte sie eine schwere, verrottete Last abgeworfen, die sie viele Jahre lang mit sich getragen hatte.