— Dann füttere deinen Sohn selbst.
— Warum hackst du so viel Grünzeug klein?

Sascha blickte seiner Frau über die Schulter direkt in die Salatschüssel.
— Das bleibt doch zwischen den Zähnen stecken.
— Ich hacke ganz normal, — sagte Lisa und schob ihn entschlossen mit dem Ellbogen von der Arbeitsplatte weg.
— Deine Mutter mag Dill.
— Sie mag ihn frisch.
Aus dem Garten.
Und dieser hier ist aus dem Gewächshaus, Gras wie Gras.
Sascha fischte ein Stück Gurke aus dem Salat und steckte es sich in den Mund.
Er knackte laut damit.
— Und überhaupt, warum musstest du roten Fisch kaufen?
Du hättest Seelachs im Teig ausbacken können.
Mutter findet sowieso etwas, woran sie sich stören kann.
Lisa legte das Messer beiseite.
Fünf Jahre Ehe.
Fünf Jahre lang hatte Rimma an allem, was sie tat, einen Fehler gefunden.
Diesmal beschloss Lisa, diese Frage endgültig zu klären.
Sie gab die Hälfte ihrer Prämie für eine gute Bauernforelle und teures Rinderfilet aus.
Sie stand um sechs Uhr morgens auf.
Sie bereitete alles streng nach den Familienregeln ihrer Schwiegermutter zu und prüfte jeden Schritt genau.
— Ich möchte, dass wenigstens ein Fest ohne ihre Seufzer über deinen verdorbenen Magen vergeht.
— Na dann.
Viel Glück.
Sascha kratzte sich durch den weichen Hauspullover am Bauch.
— Nur mach bitte… die Portionen größer.
— Was heißt größer?
Lisa sah ihren Mann verständnislos an.
— Wir sind zu dritt.
— Zu viert.
Mama kommt mit Tante Klava.
Ich habe vergessen, es dir zu sagen.
Lisa schloss schweigend für ein paar Sekunden die Augen.
Klavdia, die ältere Schwester der Schwiegermutter, war der perfekte Resonanzkörper für jedes Missfallen von Rimma.
Wenn Rimma sagte, die Suppe sei nicht salzig genug, fand Klavdia sofort Anzeichen von saurem Kohl darin.
— Sascha, willst du mich veralbern?
— Was ist denn dabei?
Er verstand das Problem wirklich nicht und trat in der engen Küche von einem Fuß auf den anderen.
— Meine Tante ist auf der Durchreise in der Stadt.
Mutter hat sie mit eingeladen.
Was hätte ich tun sollen, meine eigene Tante wegen deiner Salate vor die Tür setzen?
Gib ihr einen Teller, und fertig.
Das ist doch keine große Sache.
— Meine Forelle ist portioniert.
Drei Steaks.
— Dann teile deins eben in zwei Hälften.
Sascha zuckte mit den Schultern, als würde er eine Grundschulaufgabe lösen.
— Oder ich teile meins.
Was macht das für einen Unterschied?
Mach aus einer Mücke keinen Elefanten, Lisa.
Du steigerst dich immer so hinein, bevor meine Mutter kommt.
Im Flur klingelte plötzlich und fordernd die Gegensprechanlage.
Lisa spülte sich die Finger ab, schüttelte das Wasser ab und ging öffnen.
Eine Minute später füllte sich die enge Schwelle mit lauten Stimmen und dem Geruch eines schweren süßen Parfüms.
Rimma war in ihrer besten Stimmung gekommen — kampfbereit.
Auf ihrer Brust glänzte eine große Brosche.
Klavdia stützte sich schwer auf ihren Stock und musterte missmutig die Tapeten.
— Liebes, wir werden die Schuhe nicht ausziehen.
Rimma versuchte, am Teppich vorbei direkt auf den hellen Boden zu treten.
— Klavdia kann kaum laufen.
Es fällt ihr schwer, sich zu bücken.
Und bei euch ist es ja auch nicht gerade steril.
Lisa holte aus dem Schränkchen eine Packung blauer Überschuhe.
— Dann ziehen Sie bitte das hier an.
— Ach, wozu diese Krankenhausregeln?
Die Schwiegermutter betrachtete die Plastikbeutel angewidert.
— Wir sind doch nicht in einen Operationssaal gekommen.
Draußen ist es trocken.
Und überhaupt, früher lebten die Menschen einfacher und gingen ohne dieses ganze Plastikzeug zu Besuch.
— Damit ich danach nicht den Boden waschen muss.
— Saschenka!
Rimma rief tief in die Wohnung hinein und ignorierte ihre Schwiegertochter völlig.
— Mein Sohn, komm und hilf deiner Mutter und deiner Tante, diesen Unsinn über die Füße zu ziehen!
Bei deiner Frau herrscht hier ein strenges Regime!
Ein Schritt nach rechts, ein Schritt nach links — Erschießung.
Sascha kam widerwillig aus dem Zimmer, nahm die Überschuhe und half den Frauen schweigend.
Die Sauberkeit seiner eigenen Böden zu verteidigen, hatte er nicht vor.
Als die Gäste endlich im Wohnzimmer Platz genommen hatten, begann das gewohnte Schauspiel, dessen Drehbuch sich seit Jahren nicht geändert hatte.
Rimma ließ ihren kritischen Blick über die Teller schweifen.
— Und diese Tischdecke… den Fleck hast du immer noch nicht herausbekommen?
— Das ist so ein Muster.
Lisa stellte geduldig die Gläser auf.
— Leinenstruktur.
Das ist jetzt modern.
— Na, ich weiß nicht.
Rimma verzog die Lippen.
— Sieht ungepflegt aus.
Als hätte jemand Tee verschüttet und es schnell weggerieben.
Bei einer guten Hausfrau muss der Tisch vor Weißheit strahlen.
Klavdia stimmte vom Nachbarstuhl sofort zu.
— Ja, die Jugend von heute achtet nicht mehr auf Gemütlichkeit.
Sie legen irgendeinen groben Lappen hin und freuen sich darüber.
Kein Respekt vor dem Zuhause.
Zu unserer Zeit haben wir mit der Hand gewaschen, ausgekocht und gestärkt.
Und jetzt hat jeder Waschautomaten, aber viel bringt es nicht.
Lisa schwieg und ging in die Küche, um das warme Gericht zu holen.
Sascha folgte ihr, um das schwere Backblech zu tragen.
Als sie zurückkamen, stellte Sascha das glühend heiße Blech mit Schwung direkt auf den Tisch.
— Wohin stellst du das Heiße?
Du brennst doch die Tischdecke durch!
Lisa schaffte es gerade noch, einen breiten Holzuntersetzer unter das Blech zu schieben.
— Und wohin sonst?
Sascha blinzelte überrascht.
— Stell es hierhin.
Vorsichtig.
— Ach, die Tischdecke.
Rimma nahm sich bereits Salat.
— Du sagst doch selbst, sie hat Flecken.
Saschenka, leg mir von dem Fisch da etwas auf.
Mal sehen, womit man uns heute verwöhnt.
Und such für Tante Klava ein fleischigeres Stück aus.
Lisa setzte sich auf ihren Platz.
Sie gab ihr eigenes Steak Klavdia und legte sich selbst nur Gemüse auf.
Sie beobachtete, wie ihre Schwiegermutter lange mit der Gabel in der gebackenen Forelle herumstocherte.
Rimma betrachtete das Stück von allen Seiten, als suche sie darin Anzeichen einer Fälschung.
— Etwas trocken.
Schließlich verkündete die Schwiegermutter es laut im ganzen Zimmer.
— Du hast sie zu lange im Ofen gelassen, Lisa.
Sie stach mit der Gabel auf den Teller.
— Sie zerfällt ja völlig.
Und die Farbe ist irgendwie blass.
Hast du sie im Laden im Angebot gekauft?
— Ganz normaler Fisch.
Sascha kaute, ohne den Blick von seinem Teller zu heben.
— Schmeckt gut.
— Für dich, Sascha, ist alles normal.
Du bist ja anspruchslos.
Rimma sah ihren Sohn mitleidig an.
— Als Student hast du dich nur von Pelmeni ernährt und dir den Magen verdorben.
Jetzt isst du alles, was man dir gibt.
Hauptsache, es ist warm.
— Ja.
Klavdia bestätigte es fröhlich, während sie die Forelle kaute.
— Die Mädchen von heute können nicht kochen.
Alles schleppen sie sich vom Lieferdienst heran.
Sie kaufen diese künstliche Forelle.
Womit man die in diesen Zuchtbetrieben vollstopft, daran mag man gar nicht denken.
Kein Respekt vor dem Produkt.
— Das ist Bauernforelle.
Lisa sprach jedes Wort deutlich aus.
— Ich bin extra dafür auf den Markt gefahren.
Ich habe tausend pro Kilo bezahlt.
Und ich habe sie genau vierzig Minuten im Ofen gelassen, nach Ihrem eigenen Rat.
— Dann ist dein Ofen schlecht.
Rimma konterte ungerührt.
— Oder du hast eine Forelle erwischt, die hundertmal eingefroren wurde.
Ich kaufe auf dem Markt nur bei geprüften Leuten.
Dir aber, Liebes, hat man Ausschussware angedreht.
Sie sehen ja, dass du jung bist und dich nicht auskennst.
Die sind dort alle gerissen.
Sie schob den Teller mit dem Fisch demonstrativ an den Rand des Tisches.
Dann griff sie nach der Platte mit dem Fleisch.
Sie schnitt ein kleines Stück ab.
Lange und nachdenklich kaute sie darauf.
Lisa sah ihren Mann an.
Sie wartete.
Sie wartete darauf, dass er wenigstens ein Wort sagte.
Dass er sagte, seine Frau sei an einem freien Tag um sechs Uhr morgens aufgestanden.
Dass sie ihr eigenes Geld ausgegeben hatte.
Aber Sascha nahm sich einfach eine zweite Portion Salat und wischte sorgfältig die Soße mit einem Stück Brot auf.
— Und das Fleisch?
Rimma verzog angewidert das Gesicht und spuckte das Stück in eine Papierserviette.
— Zäh.
Man kaut darauf wie auf einer Schuhsohle.
Ich habe dir doch letzten Monat das Rezept diktiert!
Du hättest es ordentlich klopfen müssen.
Und mit Senf bestreichen.
— Ich habe es geklopft.
Lisas Stimme wurde verdächtig leise.
— Und seit gestern Abend mariniert.
Und mit Senf bestrichen.
Streng nach Ihrem Rezept.
— Dann wachsen deine Hände eben nicht aus der richtigen Stelle.
Rimma tupfte sich sorgfältig die Lippen mit der Serviette ab.
— Unser Saschenka ist an hausgemachtes, leckeres Essen gewöhnt.
Bei mir ist Fleisch immer im Mund zergangen.
Man konnte es mit den Lippen essen!
Und hier… na ja, essbar ist es natürlich.
Vor Hunger wird mein Sohn nicht sterben.
Aber mit Genuss hat das nichts zu tun.
— Mama, nun reicht es doch.
Sascha winkte träge ab.
— Alles schmeckt gut.
Lasst mich in Ruhe essen.
Warum regt ihr euch so auf?
Ganz normales Fleisch.
— Ich sorge mich um deine Gesundheit!
Es entstand eine Pause, nach der die Schwiegermutter die Stimme erhob.
— Eine Ehefrau soll ihrem Mann Freude machen und ihm nicht mit trockenem Essen den Magen verderben.
Er schuftet den ganzen Tag, wird müde, und zu Hause bekommt er nicht einmal ein ordentliches Stück.
Alles im Vorbeigehen, alles irgendwie.
— Ich arbeite auch.
Lisa sprach es ruhig aus.
— Falls Sie es vergessen haben, Rimma Nikolajewna, ich arbeite Vollzeit.
Und ich verdiene nicht weniger als Ihr Sohn.
Klavdia grinste und schüttelte den Kopf.
— Ach, da habt ihr ja etwas gefunden, worauf ihr stolz sein könnt.
Eine Frau muss die Hüterin des Herdes sein.
Aber ihr habt heutzutage nur Karrieren im Kopf.
Der Mann sitzt hungrig zu Hause, aber die Frau hat ein Gehalt.
— Tante Klava hat recht.
Rimma hob belehrend den Finger.
— Geld ist Männersache.
Unser Saschenka ist der Ernährer.
Und du sollst Gemütlichkeit schaffen.
Aber bei dir sind die Tischdecken fleckig und das Fleisch wie eine Schuhsohle.
Und den teuren Fisch hast du auch verdorben.
Du verschwendest nur Lebensmittel.
Lisa richtete den Blick auf Sascha.
Ihr Mann spießte ungerührt genau das Stück Fleisch auf die Gabel, das seine Mutter als „Schuhsohle“ bezeichnet hatte, und steckte es in den Mund.
Er kaute eifrig und starrte auf den Fernseher, der im Hintergrund murmelte.
Er hatte nicht vor, sie zu verteidigen.
Für ihn war es einfacher, das Gemecker seiner Mutter zu ertragen und so zu tun, als passiere nichts.
Hauptsache, man rührte ihn persönlich nicht an, zwang ihn nicht zum Streiten und fütterte ihn pünktlich.
Lisa saß da und sah sie an.
Rimma, die genüsslich Kompott trank.
Klavdia, die die Salate aufaß.
Sascha, dem es völlig egal war, wessen Hände all das zubereitet hatten und wie viele Nerven es gekostet hatte.
Sie begriff eine einfache Sache.
Es ging nicht um den Fisch.
Und nicht um den Dill.
Und nicht um das Fleisch.
Es ging darum, dass sie für sie immer Bedienpersonal bleiben würde, das seine Pflichten schlecht erfüllte.
Und für Sascha war sie ein bequemer Puffer zwischen ihm und seiner Mutter.
Lisa stand langsam vom Tisch auf.
Der einfache Küchenstuhl knarrte leicht über das Laminat.
Schweigend löste sie die Bänder an ihrer Taille.
Langsam zog sie sich die neue festliche Schürze mit Spitze über den Kopf.
Genau jene Schürze, die sie extra für diesen Tag gekauft hatte, um wie eine perfekte Hausfrau auszusehen und ihrer Schwiegermutter zu gefallen.
Sie warf die Schürze direkt auf den Tisch.
Direkt auf die Leinentischdecke, neben den Teller mit dem unglücklichen teuren Fisch.
— Dann füttere deinen Sohn selbst.
Rimma verstummte mitten im Wort.
Klavdia riss die Augen auf.
— Was hast du dir denn jetzt ausgedacht?
Die Schwiegermutter schob empört das Kinn vor.
— Willst du vor den Gästen eine Szene machen?
Welche Fliege hat dich gestochen?
Du hast dich ja völlig gehen lassen!
— Lisa, setz dich.
Sascha brummte unzufrieden, ohne auch nur den Blick vom Teller zu heben.
— Was fängst du jetzt an?
Wir saßen doch ganz normal da.
— Genau.
Ihr saßt.
Lisa drehte sich um und ging in den Flur.
Sie begann nicht, Taschen zu packen, Szenen zu machen oder Besitz aufzuteilen.
Sie nahm einfach ihre Jacke vom Haken, schlüpfte mit den Haussocken in die Stiefel und schlug die Tür hinter sich zu.
Sie ließ die drei zurück, damit sie die „geschmacklose“ Forelle und das „zähe“ Fleisch aufessen konnten.
Ein paar Monate später räumte sie ihre Sachen in einer kleinen Mietwohnung ein, näher bei der Arbeit.
Sascha rief fast jeden Abend an.
Zuerst verlangte er Erklärungen, dann schimpfte er und drohte mit Scheidung, und nun war er zu den gewohnten Beschwerden übergegangen.
Er beschwerte sich, dass seine Mutter jetzt jeden Tag in seine leere Wohnung kam.
Dass ihr Borschtsch schrecklich versalzen war.
Dass ihre Piroggen nicht mehr dieselben seien, irgendwie schwer, und dass er ständig Sodbrennen davon bekomme.
Und überhaupt habe sie ihn mit ihren Ratschlägen, ihrer Kontrolle und ihren Vorwürfen völlig fertiggemacht.
Sascha drängte darauf, sich zu treffen und zu reden, und versprach, er werde „Mama an ihren Platz stellen“.
Lisa hörte sich diese Beschwerden an, während sie auf dem Fensterbrett saß und auf die abendliche Stadt blickte.
— Sascha.
Sie antwortete mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme ins Telefon.
— Soll sie sich Mühe geben.
Sie weiß doch besser, wie es richtig ist.
Iss und kleckere nicht.
Sie drückte auf Auflegen und ging, um sich Kaffee zu kochen.
Genau den Kaffee, den sie liebte, und nicht ihr Mann.



