SIE HEIRATETE EINEN „SCHWULEN“ MULTIMILLIONÄR NUR FÜR EIN JAHR… DOCH ALS SIE DAS VERSTECKTE ZIMMER ENTDECKTE, IN DEM ER ZEHN JAHRE LANG JEDE ERINNERUNG AN SIE AUFBEWAHRT HATTE, BRACH IHR GANZES LEBEN ZUSAMMEN…

Um 6:03 Uhr morgens entdeckte Valeria Montemayor, dass sie durch ihre eigene Stiefschwester ersetzt worden war.

Nicht auf freundliche Weise.

Nicht im Privaten.

Nicht durch ein tränenreiches Geständnis des Mannes, der ihr eine gemeinsame Zukunft versprochen hatte.

Sondern durch eine Benachrichtigung eines Klatschmagazins, die den Bildschirm ihres Handys in der Dunkelheit aufleuchten ließ.

„Der Technologieunternehmer Sebastián Ferrer zeigt sich in Paris erstmals mit Camila Del Río.“

Das Foto lud langsam, Pixel für Pixel, als wollte das Universum sicherstellen, dass Valeria jede einzelne Sekunde litt.

Sebastián stand unter den goldenen Lichtern des Balkons eines Luxushotels in Paris und trug denselben marineblauen Anzug, den sie vor seiner angeblichen „Geschäftsreise nach Monterrey“ sorgfältig gebügelt hatte.

Seine Hand lag auf Camilas Taille, als hätte sie schon immer dorthin gehört.

Camila lehnte den Kopf an seine Schulter und lächelte mit jenem arroganten Ausdruck, den Valeria seit ihrer Jugend ertragen hatte.

Ihre Diamantohrringe funkelten im Licht der Stadt, während die Fotografen den perfekten Moment einfingen.

Unter dem Bild vollendete ein Satz die Demütigung:

„Sebastián Ferrer nennt Camila Del Río die Liebe seines Lebens.“

Valeria richtete sich so schnell im Bett auf, dass die Laken auf dem Boden landeten.

Zwei Jahre lang war sie Sebastiáns Freundin gewesen.

Seine persönliche Assistentin.

Die Frau, die seine Besprechungen organisierte, seine Reden schrieb, Investoren beruhigte und seinen schlechten Charakter schweigend ertrug.

Sie kannte seinen Lieblingskaffee.

Die Allergien seiner Mutter.

Die Geburtstage des gesamten Vorstands.

Die Passwörter seiner Geräte.

Seine Lügen.

Seine Stimmungsschwankungen.

Aber offenbar hatte sie nie gewusst, dass sie ersetzbar war.

Bevor sie überhaupt atmen konnte, erschien eine weitere Nachricht auf dem Bildschirm.

Sebastián:

„Ich komme am Donnerstag nach Mexiko-Stadt zurück.

Halte die Quartalsberichte bereit.“

Keine Entschuldigung.

Keine Erklärung.

Nur ein Befehl.

Valeria starrte die Nachricht an, bis der Bildschirm von selbst erlosch.

Dann klingelte ihr Telefon.

— Valeria, sagte eine elegante und kalte Stimme am anderen Ende der Leitung.

— Ich habe dich gewarnt, dass Sebastián Ferrer niemals eine Montemayor heiraten würde, ohne etwas dafür zu bekommen.

Valeria schloss die Augen.

— Dir auch einen guten Morgen, Mama.

Rebeca Del Río stieß einen ungeduldigen Seufzer aus.

— Hör mit dem Drama auf und komm nach Hause.

— Nein.

— Die Fusion mit Grupo Alcázar kann noch gerettet werden, wenn du kooperierst.

Herr Alcázar ist immer noch daran interessiert, dich zu heiraten.

Valeria wurde übel.

— Dieser Mann ist fünfundsechzig Jahre alt.

— Er bietet Stabilität.

— Er hat auch gefragt, ob meine Hüften gut genug sind, um ihm Kinder zu schenken.

— Männer seiner Generation reden anders.

Valeria lachte trocken auf.

— Ich bin keine Ware, mit der du deine gescheiterten Investitionen retten kannst.

— Natürlich bist du das, wenn du Zugang zum Treuhandfonds deines Vaters willst.

Plötzlich senkte sich Stille über den Raum.

Ihr Vater, Alejandro Montemayor, war gestorben, als sie neunzehn war, und hatte ein riesiges Familienvermögen, eine Villa in Las Lomas und eine Klausel hinterlassen, die Rebeca seit Jahren benutzte, um sie zu kontrollieren.

Das Geld würde erst freigegeben werden, wenn Valeria eine rechtsgültige Ehe einging.

Jahrelang hatte ihre Mutter geglaubt, sie würde den richtigen Ehemann für sie auswählen, um auch ihn manipulieren zu können.

Und Valeria hatte dasselbe geglaubt.

Bis zu jenem Morgen.

— Im Testament steht nur „rechtsgültige Ehe“, murmelte Valeria langsam.

Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille.

— Wage es nicht.

Valerias Hand zitterte, doch ihre Stimme wurde fest.

— Doch, ich werde heiraten.

Aber nicht Alcázar.

— Du wirst dein Leben zerstören.

— Nein, Mama.

Ich glaube, ich fange gerade erst an, es zu retten.

Sie legte auf.

Mehrere Minuten lang blieb sie im Gästezimmer von Sebastiáns Penthouse in Polanco sitzen und ließ die Realität sie endgültig erdrücken.

Sie hatte keinen Verlobten mehr.

Sie hatte keinen Job mehr, falls Sebastián beschließen sollte, sich zu rächen.

Sie hatte keinen Zugang zum Vermögen ihres Vaters.

Und sie hatte auch kein wirklich eigenes Zuhause.

Aber etwas hatte sie noch.

Verzweiflung.

Und verzweifelte Frauen lernten schnell.

Um 7:20 Uhr saß sie bereits in einem makellosen dunkelgrauen Kostüm vor ihrem Laptop, die Haare zu einem eleganten Dutt gebunden.

Dann suchte sie nach dem Namen des Mannes, über den die gesamte mexikanische Presse seit Monaten sprach.

Emiliano Navarro.

Erbe eines Schifffahrtsimperiums.

Multimillionär.

Ständiger Skandal der Gesellschaftsmagazine.

Hartnäckige Gerüchte über seine angebliche Homosexualität und seine Angst, sie vor seiner ultrakonservativen Familie aus Monterrey zuzugeben.

Die Magazine fotografierten ihn, wie er private Clubs mit Models, Schauspielern und Männern verließ, deren Gesichter immer unkenntlich gemacht waren.

Er brauchte eine respektable Ehefrau.

Valeria brauchte einen rechtsgültigen Ehemann.

Ein Jahr.

Ein sauberer Vertrag.

Getrennte Zimmer.

Gegenseitiger Nutzen.

Um zwölf Uhr mittags saß Valeria bereits im privaten Büro einer angesehenen Anwältin in Santa Fe.

Ihre Hände schwitzten auf einer blauen Mappe.

— Verstehen Sie wirklich, was Sie da vorschlagen? fragte Rechtsanwältin Adriana Salvatierra.

— Eine Geschäftsvereinbarung.

— Die meisten Menschen stufen eine Ehe nicht als Geschäft ein.

— Das passiert, wenn die Liebe bereits bewiesen hat, dass sie nutzlos ist.

Die Anwältin musterte sie mehrere Sekunden lang, bevor sie zur Tür blickte.

— Herr Navarro hat darauf bestanden, persönlich zu erscheinen.

Valeria schluckte.

Sie hatte erwartet, einem arroganten und chaotischen Playboy zu begegnen.

Doch als sich die Holztür öffnete, schien die Luft den Raum vollständig zu verlassen.

Der Mann, der eintrat, wirkte, als käme er aus einer anderen Welt.

Groß.

Elegant.

Makellos gekleidet in einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug.

Sein Gesicht war zu perfekt, um beruhigend zu wirken.

Ausgeprägte Wangenknochen.

Ein fester Kiefer.

Dunkle, stille Augen, die Valeria das Gefühl gaben, vollständig durchschaut zu werden.

Er sah nicht aus wie ein Mann, der vor Gerüchten davonlief.

Er sah aus wie ein Mann, der Gerüchte mit einem einzigen Telefonanruf zerstören konnte.

— Fräulein Montemayor, sagte er.

Seine Stimme war tief.

Ruhig.

Seltsam vertraut.

Valeria stand viel zu schnell auf.

— Herr Navarro.

Für einen Augenblick huschte etwas wie Belustigung über das Gesicht des Mannes.

Er nahm ihre Hand.

Seine Berührung war warm.

Sicher.

Vorsichtig.

— Bitte, murmelte er.

— Nenn mich Emiliano.

Valeria schluckte.

— Dann kannst du mich Valeria nennen.

Für eine seltsame Sekunde ließ er ihre Hand nicht los.

Dann nahm er ihr gegenüber Platz.

Valeria schob die blaue Mappe über den Tisch.

— Ein Jahr, erklärte sie.

— Eine streng platonische Ehe.

Getrennte Zimmer.

Getrennte Leben.

Öffentliche Auftritte nur, wenn es notwendig ist.

Ich brauche mein Erbe.

Du brauchst eine Fassade.

Er neigte leicht den Kopf.

— Eine Fassade?

— Du weißt ganz genau, was ich meine.

Emilianos dunkle Augen blieben fest auf sie gerichtet.

— Weiß ich das wirklich?

Valerias Wangen wurden heiß.

— Deine Familie will eine Ehefrau.

Die Presse will eine Geschichte.

Ich kann dir beides geben.

Die Anwältin räusperte sich verlegen.

Emiliano öffnete die Mappe.

— Du solltest die Bedingungen lesen, sagte Valeria.

— Ich vertraue dir.

Sie lachte leise und ungläubig auf.

— Das ist eine sehr schlechte Angewohnheit.

— Das ist es schon seit langer Zeit, antwortete er leise.

Etwas in seinem Tonfall brachte Valeria dazu, den Blick zu heben.

Doch Emilianos Gesicht war bereits unmöglich zu lesen.

— Wir haben noch nicht über Geld gesprochen, sagte sie.

— Ich brauche dein Geld nicht.

— Jeder braucht Geld.

— Nein, antwortete er langsam.

— Jeder braucht etwas.

Und fast nie ist es Geld.

Er zog einen eleganten schwarzen Füller aus seinem Jackett und unterschrieb den Vertrag, ohne auch nur eine einzige Seite zu lesen.

Valeria sah ihn überrascht an.

— Das ist alles?

Emiliano hob den Blick.

Und zum ersten Mal, seit er dieses Büro betreten hatte, erschien eine gefährliche Regung in seinen Augen.

— Nein, Valeria, sagte er sanft.

— Wir fangen gerade erst an.