— Die Schwiegermutter ist eine echte Großmutter, sie lässt Danilka gar nicht mehr aus den Armen!
Und du, Mama, bist offenbar eine aufblasbare Großmutter, die einmal pro Woche für eine Stunde vorbeigeflogen kommt!
Diana stellte die Porzellantasse mit einem Knall auf den Tisch, sodass der restliche Kaffee auf die schneeweiße Tischdecke spritzte.
Lidia spürte, wie ihre Finger am Henkel der Tasche sofort eiskalt wurden.
Sie hatte gerade eine schwere Schicht auf den Beinen hinter sich, hatte in der Apotheke endlos für ein knappes Medikament angestanden und war sofort ans andere Ende der Stadt geeilt.
— Diana, ich habe dich gewarnt, dass ich mich heute verspäten werde, antwortete Lidia ruhig und versuchte, ihre Stimme nicht vor Kränkung zittern zu lassen.
— Anna Iwanowna hatte einen schweren Tag, wir mussten den Arzt rufen.
— Ach, jetzt geht das wieder los!
Schon wieder deine ehemalige Schwiegermutter!
Sie ist dir niemand, Papa ist seit zehn Jahren tot!
Aber dein leiblicher Enkel ist der einzige, und für ihn hast du ständig keine Zeit, sagte Diana und wandte sich demonstrativ zum Fenster, während sie ihren acht Monate alten Sohn auf den Armen wiegte.
— Sie ist nicht „niemand“, Diana.
Sie ist die Mutter deines Vaters und eine hilflose Invalidin nach einem Schlaganfall.
Es fällt ihr schwer, selbst einen Topf mit einem Liter Wasser zu heben, ihre Hände gehorchen ihr kaum noch.
Wer soll ihr helfen, wenn nicht ich?
— Derjenige, der dafür bezahlt wird! schnitt die Tochter ihr das Wort ab.
— Du hättest eine Pflegerin einstellen können und dich nicht quälen müssen.
Aber es ist für dich ja einfacher, die Märtyrerin zu spielen, ein ausgezeichneter Weg, deine Gleichgültigkeit gegenüber deiner eigenen Tochter zu rechtfertigen!
Lidia atmete tief ein.
In ihrem Inneren begann eine kalte, kontrollierte Wut zu kochen.
Sie sah die gepflegte, nach teurer Creme duftende Diana schweigend an und begriff, dass ihre Tochter nicht einmal versuchte, sie zu hören.
— Eine Pflegerin kostet Geld, das ich im Gegensatz zu deiner Schwiegermutter nicht habe, sagte Lidia sehr leise.
— Ich arbeite Vollzeit, Diana.
Fünf Tage die Woche.
— Wer will, sucht Möglichkeiten, und wer nicht will, sucht Ausreden! warf die Tochter bissig hin und wiederholte damit exakt den Lieblingssatz ihres wohlhabenden Mannes.
— Elvira Petrowna findet aus irgendeinem Grund immer Zeit.
Heute hat sie Danilka einen importierten Overall mitgebracht und fünf Stunden mit ihm gesessen, während ich bei der Maniküre war.
Lidia blickte zum Kinderbettchen, wo eine teure Markentüte lag.
Ihr wurde unwohl bei dem Gedanken an ihr eigenes Geschenk.
Ein bescheidener Umschlag mit einem Lernspielzeug lag in ihrer Tasche, und jetzt würde er ganz sicher zum Gegenstand von Spott werden.
— Gut, wenn ich hier überflüssig bin, gehe ich.
Ich muss noch zu Anna Iwanowna fahren und ihr Abendessen geben, sagte Lidia und stand auf.
— Geh nur, geh, warf Diana hin, ohne sich umzudrehen.
— Wundere dich nur später nicht, wenn das Kind nicht zu dir auf den Arm will.
Für ihn bist du eine fremde Tante von der Straße.
Lidia trat in das dunkle Treppenhaus hinaus und presste die Hand fest an die Brust, um das rasende Klopfen ihres Herzens zu beruhigen.
Sie wusste noch nicht, dass Elvira Petrowna der jungen Familie keineswegs uneigennützig half, und der Preis dieser Hilfe würde bald alle schockieren.
Lidias Samstagmorgen begann um sechs Uhr.
Sie musste Essen für zwei Tage vorbereiten, die Wohnung putzen und dann zu ihrer ehemaligen Schwiegermutter fahren, um ihr beim Waschen zu helfen.
Körperlich war Lidia völlig erschöpft, aber sie konnte die alte Frau nicht im Stich lassen.
— Lidotschka, du bist mein Goldstück, flüsterte Anna Iwanowna leise, während Lidia vorsichtig ihr dünnes graues Haar nach dem Bad kämmte.
— Du hast es schwer mit mir, ich sehe es doch.
Du solltest mich verlassen, dir einen Mann suchen und für dich selbst leben.
— Was denken Sie sich denn aus, Mama, lächelte Lidia, obwohl ihr sofort ein schwerer Kloß in den Hals stieg.
— Sie haben meinen Jura großgezogen und mir in meiner Jugend sehr geholfen.
Wie könnte ich Sie jetzt verlassen?
— Ist Dianka nicht böse? fragte die alte Frau und sah ihrer Schwiegertochter ergeben in die Augen.
— Schimpft sie nicht mit mir, weil ich dir ihre Zeit wegnehme?
Lidia wandte schnell den Blick ab und erinnerte sich an das gestrige Gespräch, das ihr noch immer in der Brust schmerzte.
— Nein, natürlich nicht, Mama.
Alles ist gut.
Dort hat sie ihre Schwiegermutter zur Hilfe, also kommen sie wunderbar zurecht, log Lidia und deckte die Beine der alten Frau behutsam mit einer warmen Decke zu.
In diesem Moment explodierte das Telefon in ihrer Tasche mit einem schrillen Klingeln.
Auf dem Bildschirm leuchtete der Name ihres Schwiegersohns Oleg.
Lidia war sehr überrascht.
Ihr Schwiegersohn rief sie gewöhnlich nie direkt an und zog es vor, ausschließlich über seine Frau zu kommunizieren.
— Ja, Oleg, guten Tag, antwortete Lidia.
— Lidia Nikolajewna, können Sie sofort herkommen? fragte der Schwiegersohn mit ungewohnt trockener und angespannter Stimme.
— Wir haben hier… einen Familienrat.
Und Ihre Anwesenheit ist erforderlich.
— Ist etwas mit Danilka passiert? Lidia erstarrte.
— Mit dem Kind ist alles in Ordnung, sagte Oleg hart, ohne den geringsten Anflug von Höflichkeit.
— Die Frage betrifft Finanzen und Ihre Wohnung.
Kommen Sie, wir warten.
Oleg legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.
Lidia senkte langsam die Hand mit dem Telefon.
In ihr entstand eine sehr schlechte Vorahnung.
Die Wohnung, in der sie lebte, war ihr einziges wertvolles Eigentum, das nach dem Tod ihres Mannes geblieben war.
Warum brauchten ihr Schwiegersohn und seine Mutter sie plötzlich?
In der Wohnung ihrer Tochter herrschte eine klingende, drückende Stille.
Danilka war gerade hingelegt worden und schlief in seinem Zimmer, während in der Küche drei Personen am Tisch saßen: Diana, Oleg und seine Mutter, Elvira Petrowna.
Die Schwiegermutter sah wie immer makellos aus.
Perfekte Frisur, ein teurer Strickanzug und im Gesicht ein Ausdruck leichter, gewohnter Überlegenheit.
— Setzen Sie sich, Lidia Nikolajewna, sagte Oleg und zeigte auf einen freien Stuhl.
— Das Gespräch ist ernst, wir dürfen nicht zögern.
Lidia setzte sich auf den angebotenen Platz.
Sie zog nicht einmal ihre Jacke aus, sondern öffnete nur leicht den Reißverschluss und ließ den Blick aufmerksam über die Anwesenden gleiten.
Diana starrte hartnäckig auf den Tisch und verbarg ihre Augen, während Elvira Petrowna weich und herablassend lächelte.
— Lidotschka, begann die Schwiegermutter mit einschmeichelnder, honigsüßer Stimme.
— Wir haben hier über die Zukunft unserer Kinder nachgedacht.
Oleschka wurde eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Wohnraumerweiterung angeboten, eine Vierzimmerwohnung in einem neuen elitären Wohnkomplex.
Aber dafür ist eine sehr große Anzahlung nötig.
— Ich freue mich sehr für sie, antwortete Lidia zurückhaltend.
— Aber was habe ich damit zu tun?
Mein Gehalt deckt kaum die Nebenkosten und Medikamente.
— Mama, tu nicht so, als wärst du taub! riss Diana plötzlich den Kopf hoch.
— Du hast eine Zweizimmerwohnung.
Groß, in einer guten Gegend, tschechischer Grundriss.
Wozu brauchst du sie jetzt allein?
Lidia war für einen Moment völlig sprachlos.
Sie glaubte, sich verhört zu haben.
— Das heißt, du schlägst mir vor, mein einziges Zuhause zu verkaufen? fragte Lidia langsam und sprach jede Silbe deutlich aus.
— Warum denn gleich „verkaufen“ und auf der Straße bleiben? mischte sich Elvira Petrowna ein und nahm elegant einen Schluck Tee aus ihrer Porzellantasse.
— Wir haben alles sehr klug durchdacht.
Sie ziehen einfach zu Ihrer kranken Schwiegermutter.
Sie braucht ohnehin ständige Pflege, das wiederholen Sie doch bei jedem Besuch unaufhörlich.
— Und Ihre Wohnung verkaufen wir und investieren das Geld in die Wohnung für die jungen Leute, fügte Oleg hinzu.
— Das ist logisch, pragmatisch und richtig.
— Das ist absolut ausgeschlossen, sagte Lidia fest.
Sie erhob sich entschlossen von ihrem Stuhl.
— Meine Wohnung steht nicht zum Verkauf.
Und meine Lebenspläne werde ich selbst machen.
— Ach, so also? Diana sprang hinter ihrer Mutter auf, und ihr Gesicht überzog sich sofort mit hässlichen roten Flecken.
— Also bist du bereit, einer fremden alten Frau rund um die Uhr zu dienen?
Aber deiner eigenen Tochter willst du in der wichtigsten Frage nicht helfen?
— Elvira Petrowna verkauft ihretwegen ihre Datscha! schrie Diana weiter.
— Sie ist eine echte Großmutter, sie tut alles für ihren Enkel!
Und von dir gibt es keinen Nutzen, nur Egoismus!
Lidia sah ihre in Hysterie geratene Tochter an und verstand, dass diese aufrichtig glaubte, ihre Mutter sei verpflichtet, das Letzte herzugeben.
In diesem Moment fiel Lidias Blick auf eine offene Mappe, die ganz am Rand des Tisches lag.
Oben lag der Entwurf eines offiziellen Vertrags, und das, was dort stand, ließ Lidia abrupt erstarren.
Lidia trat wachsam direkt an den Tisch.
Sie ignorierte die protestierende Geste ihres Schwiegersohns völlig und nahm selbstbewusst das oberste Blatt des Dokuments in die Hand.
Es war ein Vorvertrag über den Kauf der neuen Immobilie, doch als Käufer standen dort keineswegs Diana und Oleg.
— Interessant, sagte Lidia mit eisigem Ton und las aufmerksam die juristischen Zeilen.
— Eigentümerin der neuen Vierzimmerwohnung wird… Elvira Petrowna.
Alleinige und vollberechtigte Eigentümerin.
In der Küche hing augenblicklich eine tote, greifbare Stille.
Diana sah ihren Mann überrascht an und wandte den Blick dann schnell zu ihrer Schwiegermutter.
Offenbar war das auch für sie eine völlige Neuigkeit.
— Oleg, wie soll ich das verstehen? fragte Diana leise.
— Wir hatten diese Frage doch klar besprochen.
Die Wohnung sollte auf uns beide zu gleichen Teilen eingetragen werden.
— Dinochka, mein Kind, was macht das denn für einen Unterschied? geriet Elvira Petrowna in Unruhe, und ihre Stimme verlor sofort ihre frühere samtige Weichheit.
— Ich bin doch Mutter, ich wünsche euch nur Gutes.
Die Wohnung wird mit der Zeit ohnehin Oleschka gehören.
Es ist jetzt einfach juristisch vorteilhafter, die Steuern sind niedriger, und überhaupt… man weiß nie, was im Leben passiert.
— „Man weiß nie“ bedeutet wohl Ihre baldige Scheidung? fragte Lidia ruhig und wandte sich der Schwiegermutter zu, wobei sie sie mit offenem, tiefem Verachtung ansah.
— Sie wollen, dass ich meine einzige Wohnung verkaufe, Sie verkaufen Ihre alte Datscha, und Eigentümerin all dieser Pracht werden allein Sie?
Und meine Tochter bleibt im Fall der Fälle mit einem Kind auf dem Arm auf der Straße?
— Lidia Nikolajewna, mischen Sie sich nicht in fremde Finanzangelegenheiten ein! fuhr Oleg grob dazwischen, und sein Gesicht verdunkelte sich stark vor unterdrückter Wut.
— Wir werden alles selbst klären, ohne Ihre Ratschläge.
Meine Mutter investiert am meisten, sie hat ein Recht auf Garantien.
— Ihre Mutter arbeitet seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, entgegnete Lidia ruhig.
— Sie lebt von den Einnahmen aus der Vermietung der Gewerberäume ihres Vaters.
Und jetzt beraubt sie einfach technisch meine dumme Tochter, während sie sich hinter großer Liebe zum Enkel versteckt.
Diana, mach endlich die Augen auf!
Du wirst schamlos ausgenutzt!
— Halt den Mund! schrie Diana hysterisch und presste sich die Hände fest auf die Ohren.
— Du bist einfach neidisch!
Du hast selbst nichts erreicht und bist neidisch!
Du bist neidisch, dass Elvira Petrowna uns helfen kann und du nicht!
Du verdrehst absichtlich alles und lügst, um deine Wohnung festzuhalten und dich rauszuhalten!
Lidia sah ihre Tochter mit tiefer, unaussprechlicher Traurigkeit an.
Das Mädchen war so sehr von Kränkung und dem wahnsinnigen Wunsch geblendet, sofort schön zu leben, dass sie die offensichtliche, tödliche Falle überhaupt nicht sah.
— Ich gehe, sagte Lidia fest und legte das wichtige Dokument vorsichtig zurück auf den Tisch.
— Das Gespräch über meine Wohnung ist ein für alle Mal beendet.
— Diana, wenn du irgendwann Hilfe brauchst, echte Hilfe und keine auf fremde Kosten gekaufte, weißt du sehr gut, wo du mich findest, fügte Lidia an der Tür hinzu.
— Aber bei diesen schmutzigen Spielen mache ich nicht mit.
Elvira Petrowna begleitete sie mit einem triumphierenden, bösen Blick.
Sie verstand das Wichtigste sehr genau: Jetzt hatte Lidia sich in den Augen ihrer eigenen Tochter zur Feindin Nummer eins gemacht.
Genau ein schwerer Monat verging.
Diana brach jeglichen Kontakt zu ihrer Mutter vollständig ab.
Auf Telefonanrufe antwortete sie grundsätzlich nicht, und alle Nachrichten in Messengern blieben ewig ungelesen.
Lidia erlebte diesen plötzlichen Bruch sehr schwer, aber sie verstand, dass sich aufzudrängen jetzt nur alles schlimmer machen würde.
Sie stürzte sich völlig in die Arbeit und in die Pflege von Anna Iwanowna.
— Lidotschka, du bist ganz blass geworden, sorgte sich die alte Frau und beobachtete traurig, wie ihre Schwiegertochter mechanisch Staub wischte.
— Habt ihr euch mit Dianka immer noch nicht versöhnt?
— Nein, Mama.
Dort steuert Elvira Petrowna den ganzen Prozess vollständig, seufzte Lidia schwer und legte den Lappen ab.
— Diana ist sicher, dass ich ihre Lebensinteressen verraten habe.
In genau diesem Moment ertönte ein schrilles Klingeln an der Tür.
Lidia zuckte heftig zusammen und ging schnell öffnen.
Auf der Schwelle stand Diana, ohne Kinderwagen, ohne Kind, völlig verstört, mit zerzaustem Haar und schrecklich von Tränen geschwollenen Augen.
An ihr war nichts mehr von dem früheren Glanz und der teuren Kleidung, nur eine alte Jacke und zerknitterte Jeans.
— Mama… flüsterte Diana leise, und ihre Stimme brach sofort in ein dumpfes Krächzen.
— Komm rein, sagte Lidia und trat schnell zur Seite, um ihre weinende Tochter in den schmalen Flur zu lassen.
Eine unangenehme Kälte im Bauch sagte ihr deutlich das Wichtigste: Es war genau das passiert, wovor sie sich so sehr gefürchtet hatte.
Diana ging langsam in die vertraute Küche, sank kraftlos auf den alten Stuhl und bedeckte ihr Gesicht fest mit beiden Händen.
Ihre Schultern zitterten klein und häufig vor Schluchzen.
Lidia goss ihr schweigend starken heißen Tee ein und setzte sich ihr gegenüber, ohne die Ereignisse bewusst zu beschleunigen.
— Sie haben mich hinausgeworfen, Mama, presste Diana schließlich hervor, bitter schluchzend und die Tränen schluckend.
— Oleg hat die Scheidung eingereicht.
Sie nehmen mir Danilka weg.
Lidia spürte, wie ihre eigenen Finger weiß wurden, als sie krampfhaft die Holzkante des Tisches umklammerte.
Sie hatte mit zynischem Betrug gerechnet, aber nicht gedacht, dass die Familie der Schwiegermutter so schnell zu solcher Gemeinheit greifen würde.
— Erzähl, verlangte Lidia.
Ihre Stimme klang eisig, sachlich und gesammelt.
— Ruhig und der Reihe nach.
Was sind ihre offiziellen Gründe?
— Elvira Petrowna… sie hat alles sehr raffiniert berechnet, sagte Diana und verwischte schmutzige Tränen auf ihren blassen Wangen.
— Erinnerst du dich, dass sie jeden Tag bei Danilka saß?
Es stellte sich heraus, dass sie jedes Mal heimlich filmte, wenn im Haus auch nur ein bisschen Schmutz war oder das Geschirr nicht gespült war.
— Wenn ich in den Laden ging, hielt sie die Zeit genau fest, fuhr Diana fort.
— Sie haben ein ganzes Dossier für das Gericht gesammelt!
Dass ich eine schlechte, verantwortungslose Mutter sei, dass ich angeblich an gefährlicher Wochenbettdepression leide und mich gar nicht um mein eigenes Kind kümmere!
Lidia hörte dieser stockenden Erzählung aufmerksam zu, und in ihr wuchs eine kalte, berechnende, böse Wut.
Die „heilige“ Schwiegermutter entpuppte sich in Wahrheit als gewöhnliches Raubtier, ein gefährliches Raubtier im flauschigen Schafspelz.
— Sie haben diese Datscha doch schon verkauft, fuhr Diana fort, ihre Stimme zitterte stark vor dem erlebten Schock.
— Die neue Wohnung haben sie vollständig auf Elvira Petrowna eingetragen.
Und gestern Abend erklärte Oleg mir direkt, ich solle gehen.
Die Wohnung sei nicht meine, ich hätte keinen einzigen Kopeken hineingesteckt.
— Und Danilka ist offiziell bei der Schwiegermutter gemeldet, in ihrer alten Wohnung, schluchzte die Tochter.
— Und vor Gericht werden sie leicht beweisen, dass ich keine Bedingungen für seine normale Versorgung habe!
Ich habe jetzt ja nicht einmal eigenen Wohnraum!
Diana hob zu ihrer Mutter die Augen, die voller tiefer Verzweiflung waren.
In ihnen war nichts mehr von der früheren Überheblichkeit, keine dummen Vorwürfe und keine Arroganz, nur die wilde Angst eines kleinen, dummen Mädchens, das sich am echten, zynischen Leben viel zu schmerzhaft verbrannt hatte.
— Du hast es mir damals gesagt, Mama…
Du hast mich vor diesem schrecklichen Vertrag gewarnt.
Und ich habe dich eine aufblasbare Großmutter genannt…
Diana brach wieder laut in Tränen aus und vergrub das Gesicht in den Knien ihrer Mutter, wie in tiefer Kindheit.
Lidia strich ihrer Tochter langsam und beruhigend über den Kopf, während sich in ihrem Geist bereits schnell ein klarer Handlungsplan aufbaute.
Die Zeit leerer emotionaler Streitereien war endgültig vorbei.
Nun begann die Zeit eines harten, professionellen juristischen Krieges.
— So, hör sofort mit dieser Hysterie auf, sagte Lidia hart und schob ihre Tochter entschlossen von sich weg.
— Mit deinen Tränen spielst du ihnen jetzt nur in die Hände.
Sie wollen dich vor Gericht als unausgeglichen darstellen?
Darauf können sie lange warten, dieses Geschenk machen wir ihnen nicht.
— Was sollen wir jetzt tun, Mama? fragte Diana und sah sie ergeben an, jedes Wort auffangend.
— Sie haben riesiges Geld, teure Anwälte…
Elvira Petrowna hat direkt gesagt, dass sie mich zu Staub zerreiben wird.
— Deine Elvira Petrowna hat eine Schwachstelle, sagte Lidia und lächelte kaum merklich, raubtierhaft.
— Eine Schwachstelle, die sie im Rausch der Erpressung völlig vergessen hat.
Sie ist offiziell im Staatsdienst bei der Archivverwaltung unseres Bezirks geführt, bekommt dort ein stabiles Gehalt und sammelt Dienstjahre für ihren Veteranenstatus.
— Tatsächlich aber erscheint sie dort seit Jahren nicht und verbringt ihre gesamte Arbeitszeit in eurer Wohnung, erklärte Lidia.
— In der juristischen Praxis nennt man das knapp: Betrug und unrechtmäßiger Bezug staatlicher Zahlungen.
Und ich habe eine ausgezeichnete alte Bekannte in der Leitung der Bezirksarbeitsinspektion.
Diana riss erstaunt die Augen auf und hörte auf zu weinen.
Sie hatte ihre Schwiegermutter nie von dieser praktischen Seite betrachtet.
— Außerdem ist deine offizielle Anmeldung in meiner Wohnung nirgendwo verschwunden, fuhr Lidia fest fort.
— Du hast laut Dokumenten eine rechtmäßige, gut ausgestattete Unterkunft.
Jetzt beauftragen wir sofort einen starken Anwalt, der sich auf kompliziertes Familienrecht spezialisiert hat.
— Gleich morgen früh reichen wir eine Widerklage auf verpflichtenden Unterhalt und Festlegung des Wohnorts des Kindes ein, fasste Lidia zusammen.
— Und glaub mir, deine „echte“ Großmutter wird es noch sehr bereuen, dass sie beschlossen hat, auf meinem Spielfeld mit mir zu spielen.
Die nächste Gerichtsverhandlung dauerte lange drei Stunden.
Elvira Petrowna saß auf der Bank der Beklagten neben dem sichtbar blass gewordenen Oleg, und die Schwiegermutter sah nicht mehr wie die selbstsichere Herrin der Lage aus.
Nach einer plötzlichen und strengen Überprüfung an ihrer offiziellen Arbeitsstelle und der anschließenden unangenehmen dienstlichen Untersuchung hatte sich ihre frühere Überheblichkeit deutlich und schnell verringert.
Der Anwalt, den Lidia beauftragt hatte, handelte professionell.
Er zerpflückte klar und methodisch alle „Beweise“ Olegs.
Alle heimlichen Videoaufnahmen der unaufgeräumten Wohnung wurden als unerheblich anerkannt, denn sie waren ein Tropfen im Meer im Vergleich zur Haupttatsache.
Die leibliche Mutter war 90 Prozent der gesamten Zeit mit dem Kind zusammen, was durch offizielle Aussagen des Kinderarztes und zahlreiche Erklärungen der Nachbarn leicht bestätigt wurde.
— Das Gericht beschließt, las die strenge Richterin monoton vor.
— Den Wohnort des minderjährigen Daniil bei der Mutter festzulegen.
Vom Beklagten Oleg Unterhalt in Höhe von…
Diana schluchzte leise und erleichtert auf und bedeckte schnell ihr Gesicht mit den Händen, doch diesmal waren es ausschließlich Freudentränen.
Sie versuchte, sich zu Oleg umzudrehen, doch er stieß ihre Hand nur wütend weg und verließ mit schnellen, nervösen Schritten sofort den Gerichtssaal.
Seine Mutter, Elvira Petrowna, folgte ihm, doch an der Tür hielt die Schwiegermutter für eine Sekunde inne.
Sie drehte sich um und sah Lidia mit rasendem Hass an.
— Sie haben das Leben Ihres eigenen Schwiegersohns völlig zerstört, zischte sie.
— Sind Sie jetzt zufrieden, Lidia Nikolajewna?
Aber wissen Sie: Die Wohnung geben wir Ihnen auf keinen Fall!
Diana bekommt dort keinen einzigen Quadratmeter!
— Ich brauche Ihre Quadratmeter überhaupt nicht, Elvira Petrowna, antwortete Lidia ruhig mit einem eisigen, sicheren Lächeln.
— Das Wichtigste ist, dass mein leiblicher Enkel bei seiner Mutter aufwachsen wird.
Und Sie können Ihren Sieg weiter in Ihrer neuen Vierzimmer-Einzelzelle genießen.
— Und übrigens, überprüfen Sie in Ihrer Freizeit unbedingt Ihre Post, fügte Lidia nachlässig hinzu.
— Das Finanzamt hat sich sehr stark für Ihre Einnahmen aus der jahrelangen inoffiziellen Vermietung von Gewerberäumen interessiert.
Das Gesicht der Schwiegermutter veränderte sich augenblicklich und wurde grau.
Sie drehte sich abrupt auf den Absätzen um und lief fast aus dem stickigen Gerichtskorridor hinaus.
Lidia und Diana traten langsam auf die belebte Straße hinaus, und der frische Frühlingswind warf ihnen eine Handvoll kühler Luft ins Gesicht.
Diana hielt die Hand ihrer Mutter sehr fest, als hätte sie noch immer panische Angst zu fallen.
— Mama, ich danke dir so sehr…
Wenn du nicht gewesen wärst…
Ich wäre verloren gewesen, sagte sie leise.
— Keine großen Worte, Diana, sagte Lidia und blieb stehen.
Sie befreite ihre Hand sanft, aber sehr entschlossen.
— Heute haben wir in diesem konkreten Gerichtsverfahren gewonnen, aber vor dir liegen wirklich schwere Zeiten.
Eine schwierige Scheidung, Vermögensaufteilung, eine Mietwohnung oder ein langes Zusammenleben mit mir und Anna Iwanowna, eine dringende Arbeitssuche und geringe Unterhaltszahlungen, die Oleg nun mit aller Kraft vor den Gerichtsvollziehern verbergen wird.
— Du wolltest doch so sehr ein erwachsenes, unabhängiges Leben?
Herzlichen Glückwunsch, du hast es endlich in vollem Umfang bekommen, beendete Lidia.
Diana senkte schweigend den Kopf und betrachtete den Asphalt.
Endlich verstand sie das Wichtigste: Die frühere wolkenlose und leichte Welt gab es nicht mehr, jene Welt, in der man Launen haben und die „bessere“ Großmutter auswählen konnte.
Jetzt gab es nur noch das verbrannte Feld eines langen Familienkrieges und einen sehr langen, schwierigen Weg zur echten Selbstständigkeit.
Lidia blickte schnell auf ihre Armbanduhr.
Sie musste dringend zu ihrer geliebten Arbeit laufen, und am Abend wieder zu ihrer kranken Schwiegermutter fahren.
Ihr Leben ging weiter, und in diesem harten Leben war absolut kein Platz mehr für fremde Illusionen.
Ist eine Mutter verpflichtet, ihr letztes Zuhause für die Ambitionen erwachsener Kinder zu verlieren, oder hat Diana eine grausame, aber gerechte Lektion für ihre konsumorientierte Haltung bekommen?




