Raisa stieg aus dem Bus, der sie zusammen mit ihrem Mann aus dem Dorf in die Stadt gebracht hatte.
Die Frau sah sich um, und dann ging sie zufrieden ein paar Schritte, um ihre auf der Fahrt steif gewordenen Beine zu lockern.

Gleich nach ihr stolperte ihr Mann Wassili aus dem warmen Inneren des Busses in die frostige Luft.
Er hatte die ganze Fahrt vor sich hingedöst, und jetzt schüttelte es ihn ein wenig vor Kälte.
Der Plan seiner Frau, auf Besuchstour zu den Verwandten in der Stadt zu fahren, war ihm gar nicht recht.
Viel lieber hätte er seinen freien Tag zu Hause verbracht – in der Banja schwitzen und danach in aller Ruhe Bier mit getrocknetem Fisch trinken.
Und anschließend noch von den heißen Pelmeni essen, die seine Räitschka so gut zubereitete.
Nach einem sättigenden Abendessen sich auf das geliebte Sofa legen und auf dem neuen großen Fernseher irgendeinen alten, herzensguten Film anschauen.
Einfach ein Segen!
Doch der unermüdlichen Ehefrau war es eingefallen, in die Stadt zu fahren.
Schon das ganze Leben rüttelte sie an ihm herum, von Ruhe konnte man mit so einer Frau für Wassili nicht sprechen.
— Morgen fahren wir zum Neffen. Zu Antoschka.
Sollen sie uns zusammen mit seiner jungen Frau empfangen.
Wir werden sehen, was sie für ein Püppchen ist.
Und was für eine Hausfrau.
Denn als sie bei uns zu Besuch war, kam sie mir sehr vorlaut vor.
Und wie sie in Wirklichkeit ist, weiß keiner.
— Antochas Frau ist doch ganz normal! Lebhaft, freundlich, immer am Lächeln, — warf Wassili ein und erinnerte sich an die zugewandte Maija.
— Na, dann werden wir uns davon überzeugen, dass sie normal ist. Und außerdem schaue ich mir im Laden noch einen Pelzmantel an! — überraschte Raisa ihren Mann.
— Einen Pelzmantel? Und wozu brauchst du den?
Wo willst du damit in unserem Dorf herumlaufen?
Wir haben weder Theater noch Restaurants und auch kein Mausoleum, — resümierte Wassili.
— Das geht deinen Kopf nichts an, wohin! Vielleicht habe ich mein ganzes Leben davon geträumt.
Jetzt blickte die unzufriedene Raisa über den Parkplatz vor dem Busbahnhof.
— Irgendwie sehe ich nicht, dass Anton uns hier abholt.
Der Neffe ist nicht da!
Ist der etwa wirklich nicht gekommen, sieh dir das an!
— Ja, du hast recht, er ist nicht da.
Man sieht, Gäste brauchen sie wohl nicht, — bestätigte Wassili die Worte seiner Frau.
— Ich hab dir gesagt, bleib zu Hause, aber nein, sie musste ja unbedingt auf Besuchstour gehen.
— Nörgel nicht. Wir klären das jetzt.
Mit entschlossenen Bewegungen holte Raisa ihr Handy heraus und wählte Antons Nummer.
Das Telefon wurde nicht abgenommen.
— Na los, du ruf ihn an. Vielleicht geht er bei dir ran, — sagte die Frau unzufrieden und wurde schon langsam nervös.
Auch Wassili konnte ihn nicht erreichen.
— Geh, halt ein Taxi an, warum stehst du da wie eine Pappel am Ufer? — kommandierte die Ehefrau. — Ach nein, warte!
Ich mach das selbst, bei mir geht das schneller.
Die Gäste fuhren mit dem Taxi zum Neffen und seiner Frau, die bereits zu Abend gegessen hatten und im Begriff waren, schlafen zu gehen.
— Können Sie bitte etwas schneller fahren? — fragte Raisa missmutig den Fahrer. — Was schleichen Sie denn so dahin, als ob Sie von Ochsen gezogen würden?
Überall nur Unordnung.
Solches Geld zahlen wir ihm, und er fährt kaum.
Der Fahrer, abgehärtet durch viele hitzige Wortgefechte mit unzufriedenen Fahrgästen, zog es vor zu schweigen.
Die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritt er nicht.
Diese nervöse Dame sollte lieber ihr Mann beruhigen, beschloss er.
Endlich kamen die Eheleute am Ziel an.
Mit Mühe drängten sie sich durch die Haustür mit Türöffner und stiegen in den siebten Stock hinauf, wo die Wohnung des Neffen war, und die Gäste klingelten an der Tür.
— Was treibt ihr denn da? — begann die wütende Tante statt einer Begrüßung. — Wir mussten mit dem Taxi fahren.
Weißt du, Antoscha, wie viel wir hingeblättert haben?
Konnte man uns wirklich nicht abholen?
— Erstens: guten Abend! — sagte Maija streng. — Und zweitens: wenn schon, wir haben euch gar nicht eingeladen.
— Und drittens was!? Hast du wenigstens den Tisch für die Gäste gedeckt?
Ich bin auf der Fahrt hungrig geworden, — unterbrach der unhöfliche Wassili die Hausherrin.
— Den Tisch? Was für einen Tisch denn?
Nein, natürlich nicht!
Ich hatte das auch überhaupt nicht vor, — antwortete die Frau des Neffen schlagfertig.
— So empfangt ihr also Gäste? — murmelte der hungrige Onkel unzufrieden, als er auf den blitzsauberen Tisch und den leeren Herd in der Küche blickte. — Was, ihr esst dann wohl selbst auch nichts mehr?
Hauptsache, uns nicht füttern!
Die erzürnte Raisa bereitete sich innerlich erst noch auf eine wortreiche Rede vor.
Von dem, was jetzt in der Wohnung des Neffen geschah, stockte ihr geradezu der Atem.
— Wir haben schon zu Abend gegessen! — sagte Maija ruhig. — Und für unangekündigte Gäste ist das hier weder ein Speiselokal noch ein Hotel, ist das klar für euch?
— Oho, wie du redest!
Was für eine Kühnheit, ich erkenne unser Mauerblümchen ja gar nicht wieder! — trat die korpulente Raisa vor, stellte sich schützend vor Wassili und hatte endlich ihre Sprache wiedergefunden. — Als ihr bei uns wart, hast du dich nicht mal getraut, ein Wort zu sagen.
Und jetzt ratterst du los wie ein Maschinengewehr.
Hat man dich etwa ausgetauscht?
— Nichts dergleichen! Ich bin ganz die Alte.
Aber Unverschämtheit lasse ich nicht zu.
Und in unserer Wohnung, die ich mit meinem Mann teile, wird nur der sein, den wir selbst einladen! — sagte Maija mutig und sah ihren Mann an, suchend nach seiner Unterstützung.
In diesem Moment saß ihr Ehemann auf der Stuhlkante und hatte den Kopf tief gesenkt.
Er fühlte sich miserabel, denn die ganze Geschichte gefiel ihm überhaupt nicht.
Es war ihm peinlich gegenüber den Gästen – der eigenen Tante und ihrem Mann.
Aber noch unangenehmer war es ihm seiner Frau gegenüber.
Und Anton hatte Angst, dass sie sich ihretwegen jetzt streiten würden, und dass er dann wieder die Unannehmlichkeiten ertragen müsste – auf dem Boden schlafen und sich von trockenen Fertigprodukten aus dem Laden ernähren.
Und das Wichtigste: lange Zeit seine ehelichen Pflichten vergessen.
Schon in wenigen Stunden, früh am Morgen, sollten die jungen Eheleute in eine kleine Kreisstadt fahren, aus der Maija stammte.
Zur Hochzeit ihrer Freundin.
Die ganze letzte Woche vor der Reise war Maija angenehm mit den Vorbereitungen für dieses Ereignis beschäftigt gewesen.
Sie suchte ein schönes Kleid und passende Schuhe, kaufte ein neues Hemd für Anton, farblich abgestimmt auf ihr Outfit, und lernte ein hübsches Glückwunschgedicht für das zukünftige Brautpaar auswendig.
Und dann, als schon alles vorbereitet war und bis zur langersehnten Feier nur noch ein Tag fehlte, riefen Antons Verwandte an und stellten die beiden einfach vor vollendete Tatsachen.
Sie sagten, dass sie zu Besuch kommen würden.
— Anton, wir haben mit Wassja beschlossen, dieses Wochenende bei euch aufzuschlagen.
Einen Gegenbesuch, sozusagen.
Ihr wart doch letzten Monat bei uns zu Gast?
Also, wir haben uns auch vorgenommen, schon lange wollten wir mal in die Stadt.
Wir sind schon unterwegs, zum Abendbrot sind wir bei euch.
Also hol uns am Busbahnhof ab, ja?
Und deine Frau soll den Tisch decken! — sagte die kommandierfreudige Raisa im Befehlston.
Im vergangenen Monat waren die jungen Eheleute zu Antons Eltern gefahren, die in einem Dorf neben der Tante lebten.
Sie war die leibliche Schwester von Antons Vater.
Und das, was sie jetzt am Telefon „euren Besuch“ nannte, war in Wirklichkeit nur ein kurzer Abstecher in ihr Haus gewesen.
Beim abendlichen Spaziergang durch das malerische Dorf waren Anton und Maija auch bei Raisa vorbeigegangen und hatten genau eine Stunde bei ihr verbracht.
Als der von der unerwarteten Ankündigung der Verwandten überrumpelte Anton wieder zu sich kam, teilte er die Neuigkeit sofort seiner Frau mit.
— Was? Was für Gäste denn bitte?!
Das ist unmöglich!
Wir fahren doch am Samstag früh weg!
Und diese Fahrt wegen deiner dreisten Tante abzusagen, habe ich ganz sicher nicht vor!
Ruf sie an und sag ihr das, — antwortete Maija.
— Gut, ich rufe gleich an.
Ich wollte es selbst sagen, aber Tante Raja hat mich kein Wort sagen lassen, — entschuldigte sich Anton, der seit seiner Kindheit ein wenig Angst vor der lauten, scharfzüngigen Tante gehabt hatte.
Raisas Handy reagierte nicht auf den Anruf.
Dann versuchte er, Wassili zu erreichen.
Das Ergebnis war dasselbe.
Anton ahnte, dass sie wahrscheinlich schon im Bus saßen und seine Anrufe nicht hörten.
Einen Moment lang wurde ihm heiß.
Der junge Mann stellte sich vor, was passieren würde, wenn sie tatsächlich noch heute bei ihnen auftauchten.
Es würde einen Riesenskandal geben!
Gerade das fehlte jetzt noch.
— Und? — fragte seine Frau fordernd.
— Ich habe sie nicht erreicht, — sagte Anton niedergeschlagen. — Sie gehen nicht ran, weder Tante noch Onkel.
— Na also. Dann sind sie in diesem Fall selbst schuld.
Niemand hat sie eingeladen.
Und du wirst sie auch nicht abholen.
Und wenn sie anrufen und fragen, warum du sie nicht abgeholt hast, sagst du, dass wir schon nach Swetlyj gefahren sind.
Wir sind nicht zuhause, und fertig.
Umso mehr, als das fast die Wahrheit ist.
Bis zu unserer Abreise bleibt weniger als ein Tag.
Und für sie kochen werde ich natürlich nicht.
— Ja, natürlich, du hast recht, — unterstützte Anton seine Frau, wenn auch nicht sehr überzeugt.
— Deine Tante ist ja echt der Hammer!
Hält sich einfach für eine feine Dame — man soll sie abholen, Essen kochen, sie füttern, im Badehaus waschen.
Fehlt nur noch, dass wir ihnen eine Massage machen, oder vielleicht ein Kirikorow-Konzert ins Wohnzimmer bestellen, was? — empörte sich seine Frau weiter.
Als Raisa und Wassili aus dem Bus stiegen und den Neffen nicht sahen, begannen sie sofort, ihn von zwei Telefonen aus anzurufen.
In dieser Zeit liefen Anton und Maija gemeinsam durch den Supermarkt.
Er hörte die Anrufe nicht, oder vielleicht ging er absichtlich nicht ran und hoffte, dass sich das Problem von allein in Luft auflösen würde.
Und jetzt, als sie schon zu Abend gegessen und sogar das Geschirr gespült hatten, klingelte es an ihrer Tür.
— Sie sind da, — sagte Anton mit bleichem Gesicht.
— Na dann geh aufmachen, es ist doch deine Verwandtschaft.
Und außerdem, sollen wir uns jetzt etwa vor ihnen verstecken?
Wir sagen ihnen, sie sollen ins Hotel fahren, und damit hat es sich.
Doch Maija kannte die Tante ihres Mannes schlecht.
Die Situation spitzte sich zu.
Und den Gästen nach zu urteilen, dachten sie überhaupt nicht daran zu gehen.
— Versteht ihr nicht, dass man nicht einfach so ohne Vorwarnung bei Menschen hereinplatzen kann?
Das ist Dreistigkeit und Respektlosigkeit uns gegenüber, — sagte Maija und trat zu ihrem Mann, stieß ihn kräftig in die Seite, damit er endlich zu sich kam und sich auf die Seite seiner Frau stellte. — Anton, warum schweigst du?
Du bist doch einer Meinung mit mir, oder?
— Von welcher Dreistigkeit singst du da?
Dreistigkeit, dass wir mit Wassja unseren geliebten Neffen besuchen wollten?
Nach langer Zeit haben wir beschlossen, endlich mal für ein, zwei Tage auf Besuch zu kommen, und das ist Dreistigkeit? — gab die lautstarke Raisa nicht nach. — Deiner Meinung nach, mein Fräulein, heißt das wohl, dass wir, seine Verwandten, nicht einmal zu Besuch kommen dürfen?
— Tante Raja, ich habe es nicht geschafft, es Ihnen zu sagen…
Wir fahren doch selber weg.
Siehst du dort die Taschen?
Da stehen sie.
Wir sind zur Hochzeit eingeladen, zu der Freundin meiner Frau.
Und Maija und ich müssen bald losfahren.
Deshalb haben wir euch nicht abgeholt und den Tisch nicht gedeckt, — begann Anton sich zu rechtfertigen und verstand, dass er sich doch anstrengen musste, damit sich die Situation irgendwie auflöste.
— Also ist dir irgendeine Freundin deiner Frau, ein völlig fremder Mensch, wichtiger als deine leibliche Tante?
Die, die dich als Kleinen auf dem Arm hatte, die mit dir gespielt hat, dir Geschenke gemacht hat, ohne ihr Geld zu schonen.
Erinnerst du dich an den Plüschhasen?
Und an den Lastwagen, den roten, mit der großen Fahrerkabine?
Na, siehst du, daran erinnerst du dich!
Und wie ich zu dir ins Krankenhaus gelaufen bin, als man dir die Mandeln entfernt hat.
Und wie ich Nächte lang nicht geschlafen, mir Sorgen gemacht und geweint habe, als wir dich zur A.r.m.e.e verabschiedet haben.
Und was ist jetzt?
Jetzt hast du noch nicht einmal eine Tasse Tee für deine liebe Tante übrig?
Raisa trug all das so pathetisch vor, dass Anton wirklich peinlich berührt war.
Es stach ihm in der Nase, und einen Moment lang fühlte er sich fast wie ein Verräter.
— Wieso denn…
Mit Tee können wir euch bewirten, Tante Raja, — sagte der Ehemann leise und traute sich nicht, Maija anzusehen. — Aber wir fahren wirklich gleich los, wir haben es eilig…
— Nein, keinen Tee! Ich wiederhole es euch: wir sind kein Hotel.
Und keine Kantine.
Ein Café ist gegenüber, direkt auf der anderen Straßenseite.
Und eine billige Mensa gibt es dort auch, — fiel Maija Anton scharf ins Wort.
— Anständige Menschen benehmen sich nicht so! — mischte sich Wassili ein. — Was ist das für Taktlosigkeit?
Wer hat dir das beigebracht, Maija?
Bei uns in der Verwandtschaft ist es nicht üblich, Gäste rauszuwerfen, damit du Bescheid weißt.
— Und bei uns in der Familie ist es nicht üblich, einfach so in eine Wohnung hineinzustürmen und alle Pläne der Gastgeber über den Haufen zu werfen, — konterte Maija sofort. — Wir haben euch nicht eingeladen!
Anton, warum schweigst du?
— Ja, ja… wir haben euch nicht eingeladen, nein… — antwortete er widerwillig.
— Und deswegen bitte ich euch, unsere Wohnung sofort zu verlassen.
Auf der Stelle!
Anton und ich müssen unsere Reise vorbereiten.
Uns ist nicht nach Gästen.
— Na bravo!
Schau nur, Wassja, wie sie loslegt!
Und sie verhaspelt sich nicht ein einziges Mal und zuckt nicht mal mit der Wimper.
Und sie schämt sich überhaupt nicht, solche Sachen den Verwandten ihres Mannes zu sagen! — sagte Raisa mit frecher Miene zu ihrem Mann und konnte noch immer nicht glauben, dass man sie hier tatsächlich vor die Tür setzen wollte.
— Ja, Räitschka. Es ist wirklich erstaunlich, dass sie sich nicht schämt.
Und Antocha kann seiner Frau nichts entgegensetzen.
Offenbar hat er bei ihr überhaupt keinen Respekt mehr.
Was für ein Verfall der Sitten! — stimmte Wassili seiner Frau zu.
— So, Schluss jetzt mit dem Gerede!
Das ist alles leeres Geschwätz.
Deckt den Tisch, und wir essen zu Abend.
Ich bin vor lauter Nerven richtig hungrig geworden, — fuhr die Tante fort, immer dreister zu werden.
— Ihr habt mich nicht verstanden, oder?
Ich erkläre es noch einmal — ihr geht jetzt in ein Hotel.
Übrigens gibt es gleich um die Ecke ein ordentliches und preiswertes.
Dort könnt ihr zu Abend essen, euch ausruhen und alles tun, was ihr wollt.
Und wir legen uns jetzt schlafen, und morgen früh fahren wir wie geplant zur Hochzeit, — sagte Maija.
— Ach ja? Einfach so? Und gar nicht anders? — gab die Tante nicht auf.
— Ja, genau so! — fuhr Maija fort, ohne auf Raisas Grimassen zu achten. — Und wenn ihr irgendwann wieder einmal vorhabt, uns zu besuchen, dann seid so freundlich und sagt uns vorher rechtzeitig Bescheid.
Dann holen wir euch selbstverständlich ab.
Und wir bewirten euch und nehmen uns Zeit für euch.
So, wie es sich in solchen Fällen gehört.
Bei diesen Worten ging die Hausherrin zur Wohnungstür und riss sie demonstrativ auf.
— Na so was! Nicht mal mit Tee wurden wir bewirtet, — entfuhr es dem verblüfften Wassili.
— Was für eine Frechdachs!
Wie kannst du nur mit ihr leben, Anton?
Sie ist völlig schamlos!
Eine ungezogene Flegelin!
Wisst ihr was?
Dass eure Füße sich nach so etwas nie wieder bei uns sehen lassen!
Und dass ihr euch gar nicht mehr daran erinnert, dass ihr eine Tante und einen Onkel habt!
So eine Schande habe ich noch nie erlebt!
Noch nie!
Raisa schrie noch lange weiter, und sogar durch die geschlossene Tür konnte man hören, wie sie im Treppenhaus weiter schimpfte und die Nachbarn aufscheuchte.
Etwa zehn Minuten später rief Antons Mutter an.
— Sohn, Raisa hat mich gerade angerufen.
Sie hat so in die Hörmuschel geschrien, einfach furchtbar!
Sie hat dich und Maija mit den schlimmsten Worten beschimpft.
Dabei habe ich sie doch gewarnt, dass ihr zur Hochzeit fahren würdet.
Aber sie lässt sich ja nicht eines Besseren belehren!
Es ist sinnlos, ihr zu widersprechen.
Sie hört auf niemanden, was ist das nur für ein Mensch?
Am Ende ist sie selbst die Leidtragende.
Ihr zwei macht euch bloß nicht zu viele Gedanken, du weißt doch, wie deine Tante ist.
Und richte meiner Schwiegertochter schöne Grüße von mir aus.
Sie ist wirklich toll.
Sie lässt euch nicht im Stich, eine gute Frau.
— Danke, Mama. Ich richte ihr alles aus, — antwortete Anton und atmete dabei sichtbar erleichtert auf.
Seitdem kam kein einziger Verwandter mehr unangekündigt zu ihnen.
Und überhaupt kamen sie nur noch selten.



