— Verstehst du denn wirklich nicht, dass das unsere Hochzeit ist und nicht die deiner Mutter? — sagte Marina, obwohl sie bereits darüber nachdachte, wie sie ihrer Schwiegermutter eine Lektion erteilen könnte…

Teil 1. Die samtene Schlinge

Tamara Pawlowna erschien eine Stunde später in ihrer Wohnung, ohne an der Tür zu klingeln.

Sie hatte eigene Schlüssel, die Sergej ihr schon vor einem halben Jahr „für alle Fälle“ gegeben hatte.

Sie war eine korpulente Frau mit einer Frisur, die so sehr mit Haarspray übergossen war, dass sie an einen Gladiatorenhelm erinnerte.

Hinter ihr trippelte eben jene Tante her — Ella Wiktorowna.

Sie war dürr, sehnig, mit einem Gesicht, das an einen Bratapfel erinnerte, und mit Bohreraugen, die den Wert von allem abschätzten, worauf ihr Blick fiel.

— Marischa, Kindchen, es gibt Änderungen — erklärte Tamara Pawlowna gleich von der Schwelle aus, ohne auch nur zu grüßen.

— Das Restaurant „Oliva“ passt uns nicht.

— Dort sind die Decken niedrig, Ella Wiktorowna bekommt Migräne.

— Wir haben die Reservierung ins „Imperial“ verlegt.

Marina erstarrte mit der Teetasse in den Händen.

— Ins „Imperial“?

— Tamara Pawlowna, dort sind die Preise dreimal höher.

— Das Budget ist bereits abgeschlossen.

— Ach, bring mich nicht mit diesen Groschen zum Lachen — winkte die Schwiegermutter ab, ging ins Wohnzimmer und ließ sich aufs Sofa fallen.

— Du hast doch das Erbe deiner Großmutter bekommen.

— Also gib es vernünftig aus.

— Investiere in die Familie.

— Ella Wiktorowna ist Luxusniveau gewohnt.

— Nicht wahr, Ellotschka?

Die Tante presste die Lippen zusammen und sah sich angewidert in der bescheidenen Einrichtung um:

— Nun, das „Imperial“ ist natürlich kein Michelin-Niveau, aber für die Provinz reicht es.

— Sergej, mein Junge, bring Wasser.

— Ohne Kohlensäure.

— Und schneide die Zitrone dünner als beim letzten Mal.

Sergej sprang von seinem Platz auf wie ein Kellner, der auf Trinkgeld wartete.

— Ich werde das Restaurant nicht wechseln — sagte Marina fest.

— Die Anzahlung ist bereits geleistet, und sie ist nicht erstattungsfähig.

Tamara Pawlowna drehte langsam den Kopf.

In ihrem Blick lag aufrichtiges Unverständnis: Wie wagte dieses dürre Ding, den Mund aufzumachen?

— Du wirst die Anzahlung stornieren — presste sie mit eisigem Ton hervor und lächelte nur mit den Lippen.

— Denn ich habe die neuen Einladungen bereits an alle wichtigen Leute verschickt.

— Wenn du mich vor Ella Wiktorowna, vor der ganzen Stadt blamierst…

— Sergej wird dir das nicht verzeihen.

— Stimmt doch, Serjoscha?

Sergej kam mit einem Tablett zurück.

Seine Hände zitterten.

— Marin… wirklich.

— Mama hat schon alles vereinbart.

— Lass uns keinen Skandal machen.

— Ich nehme einen Kredit auf, wenn es nicht reicht.

— Einen Kredit?

— Für eine Hochzeit, die ich nicht will?

Marina spürte, wie in ihr etwas Dunkles und Schweres zu kochen begann.

— DAS IST TRADITION! — brüllte Tamara Pawlowna plötzlich und schlug mit der Handfläche auf den Tisch.

— Du trittst in eine anständige Familie ein!

— Tante Ella ist Besitzerin einer Salonkette!

— Sie kann aus dir einen Menschen machen, und du zählst Groschen!

— GEIZ ist ein Laster, Liebes.

Marina sah ihren Verlobten an.

Er senkte den Blick.

In diesem Moment begriff sie: Er hatte nicht nur Angst vor seiner Mutter.

Er wollte ihre Zustimmung mit den Nerven und dem Geld seiner Braut erkaufen.

Teil 2. Das Bündnis der Verstoßenen

Am nächsten Tag saß Marina in einem Café und fühlte sich in die Enge getrieben.

Sie musste sich aussprechen, doch ihre Freundinnen wiederholten alle wie aus einem Mund: „Halte durch, Schwiegermutter bleibt Schwiegermutter, aber dafür ist der Mann hübsch.“

— Ist hier frei?

Ein Schatten fiel über den Tisch.

Marina hob den Kopf.

Vor ihr stand Alina — eine auffällige Brünette mit einem scharfen Bob.

Sergejs ehemalige Freundin.

Sie waren nie Freundinnen gewesen, eher hatten sie bei zufälligen Begegnungen eine kühle Neutralität gewahrt.

— Setz dich, wenn du willst — antwortete Marina ohne Begeisterung.

Alina bestellte schwarzen Kaffee und kam sofort zur Sache:

— Ich habe gehört, Tamara Pawlowna hat dich sich vorgenommen.

— „Imperial“, Tante Ella, ein Gefolge von fünfzig zweifelhaften Gästen?

— Woher weißt du das?

— Ich habe das vor drei Jahren durchgemacht.

— Ich bin eine Woche vor dem Standesamt geflohen — Alina grinste, doch ihre Augen blieben kalt.

— Hör zu, ich bin nicht gekommen, um mich einzumischen, und Sergej brauche ich auch nicht zurück — Gott bewahre.

— Ich bin gekommen, um dich zu warnen.

— Wovor?

— Ella Wiktorowna ist eine Seifenblase.

— Sie ist bankrott.

— Ihre Salons sind verpfändet, sie steckt bis über beide Ohren in Schulden.

— Tamara Pawlowna weiß das nicht, sie glaubt, die Tante sei reich und werde ihrem Serjoschenka ein Erbe hinterlassen.

— Und Tante Ella glaubt, du seist reich, weil Tamara ihr von deinem „riesigen“ Erbe und den Verbindungen deines Vaters vorgeschwärmt hat.

Marina verschluckte sich fast an der Luft.

— Was?

— Das ist ein System, Marin.

— Ein parasitäres System.

— Tamara will der Tante auf deine Kosten Sand in die Augen streuen, um Geld von ihr zu erbetteln.

— Und die Tante ist gekommen, um zu essen, zu trinken und vielleicht Geld von der „reichen Schwiegertochter“ zu leihen.

— Beide sind Raubtiere, aber jede denkt, das Opfer sei die andere.

— Und am Ende fressen sie dich.

— Und Sergej…

— Sergej ist einfach ein Feigling.

— Er weiß, dass seine Mutter drei Jahre Schulden für Nebenkosten hat, dass es bereits eine Gerichtsverhandlung gab und Gerichtsvollzieher da waren, und er hofft, dass die Tante alles deckt.

Marina schwieg eine Minute.

Das Puzzle setzte sich zusammen.

Die Dreistigkeit der Schwiegermutter, Sergejs Unterwürfigkeit, das plötzliche Auftauchen der „geliebten Tante“.

Das war kein Familienfest.

Das war ein finanzielles Schneeballsystem, gebaut auf Lügen.

— Warum erzählst du mir das? — fragte Marina.

— Weil Tamara Pawlowna das Gerücht verbreitet hat, ich sei eine unfruchtbare Drogensüchtige, als ich sie verlassen habe.

— Ich will sehen, wie sich ihr Gesicht verzieht.

— Ich habe Auszüge aus dem Insolvenzregister über Ella.

— Willst du sie haben?

Marina nahm den hingehaltenen USB-Stick.

In ihrer Seele wurde die Angst von eisiger Ruhe abgelöst, und dann von der Vorfreude auf Vergeltung.

— Danke, Alina.

— Kommst du zur Hochzeit?

— Ich wurde nicht eingeladen.

— Ich lade dich ein.

— Komm.

— Es wird lustig.

Teil 3. Das Festmahl der Geier

Das Vorhochzeitsessen fand in einer Atmosphäre statt, die gespannt war wie eine Saite.

Marinas Eltern, einfache gebildete Menschen — ein Arzt und eine Lehrerin — saßen am Ende des Tisches wie arme Verwandte.

Tamara Pawlowna und Ella Wiktorowna herrschten in der Mitte.

— Ach, was ist das denn für ein Salat?

Die Tante dozierte laut und stocherte mit der Gabel auf ihrem Teller herum.

— Mayonnaise?

— In anständiger Gesellschaft isst man so etwas nicht.

— Marinochka, Kindchen, du musst meine Ernährungsberaterin engagieren.

— Sergej, sag es ihr.

Sergej, der neben Marina saß, drückte ihre Hand unter dem Tisch.

Schmerzhaft.

— Marin, versprich es der Tante.

Marina zog ihre Hand weg.

— Ella Wiktorowna, genehmigen Ihre Gläubiger Ausgaben für eine Ernährungsberaterin? — fragte sie leise, während sie Butter aufs Brot strich.

Am Tisch entstand Stille.

Die Tante verschluckte sich, fing sich aber schnell wieder:

— Was für dumme Witze.

— Dein Humor ist plebejisch.

— Tamara, wen hast du da erzogen?

— Sie wird sich bessern, Ellotschka! — begann die Schwiegermutter hektisch und warf Marina mit Blicken Blitze zu.

— Nur die Nerven.

— Das Mädchen ist Luxus nicht gewohnt.

— Übrigens, was den Luxus betrifft.

— Marin, wir haben uns da etwas überlegt…

— Die Wohnung, die du kaufst, sollte besser auf Tamara Pawlowna eingetragen werden.

— Was? — Marinas Vater richtete sich halb auf.

— Aus welchem Grund?

— Das ist Marinas Geld!

— Setzen Sie sich! — brüllte Tamara.

— Marina hat keine Erfahrung mit Immobilienverwaltung.

— Ich hingegen habe Lebenserfahrung.

— Und überhaupt ist es in unserer Familie üblich, dass das ganze Eigentum in einen gemeinsamen Topf kommt.

— Damit es keine Scheidungen und Aufteilungen gibt.

— Wenn Marina Serjoscha liebt, wird sie das beweisen.

— VERRAT beginnt mit getrennten Finanzen!

Marina sah Sergej an.

Sie wartete.

Sie wartete darauf, dass er sagte: „Mama, bist du verrückt geworden? Das ist ihre Wohnung.“

Doch Sergej sagte, während er auf seinen Teller starrte:

— Marin, wirklich…

— So wird es ruhiger.

— Mama wird sie aufbewahren und sie uns dann überschreiben.

— Sie schreibt eine Schenkungsurkunde.

— Später.

Da war es.

Der Punkt ohne Wiederkehr.

Er schwieg nicht nur.

Er war ein Komplize.

Er wollte sich und sein Mütterchen absichern, indem er ihr die einzige Wohnung wegnahm.

Marina lächelte.

Mit einem furchtbaren, unnatürlichen Lächeln.

— Gut — sagte sie.

— Wir besprechen das morgen.

— Auf der Hochzeit.

— Vor allen.

— Feierlich.

Tamara Pawlowna schnaubte selbstzufrieden und tauschte einen Blick mit der Tante.

Sie hatten gewonnen.

Sie hatten sie gebrochen.

Teil 4. Der Kuss des Judas

Der Hochzeitstag.

Restaurant „Imperial“.

Der Saal versank in weißen Lilien, deren Duft Marina schwindlig machte.

Tamara Pawlowna trug ein Kleid, das an Pracht dem Brautkleid kaum nachstand, nur dass es bordeauxfarben war.

Sie empfing die Gäste wie die Herrin eines Balls.

Tante Ella thronte auf einem eigens für sie herbeigeschafften Thronsessel.

Marina stand abseits.

Sergej kam zu ihr.

— Du bist irgendwie blass.

— Lächle, der Fotograf macht Aufnahmen.

— Und übrigens hat Mama gebeten, dass du ihr während des Trinkspruchs öffentlich für die Organisation dankst.

— Und wegen der Wohnung…

— Die Dokumente liegen beim Notar, morgen unterschreiben wir.

— Heute kündigst du es nur an.

— Was soll ich ankündigen?

— Dass ich dir und deiner Mutter alles schenke, was ich habe?

— Übertreib nicht.

— Du wirst Teil des CLANS.

— Des Clans?

Marina lachte.

— Sergej, ich gebe dir eine letzte Chance.

— Jetzt gehst du zum Mikrofon und bedankst dich bei meinen Eltern.

— Und du sagst deiner Mutter, dass sie sich nicht in unsere Familie einmischen soll.

— Jetzt.

Sergejs Gesicht veränderte sich.

Seine Augen verengten sich, in ihnen blitzte Bosheit auf.

— Stell mir keine Bedingungen.

— Wer bist du überhaupt?

— Ohne meine Familie bist du niemand.

— Mama hatte recht, man muss dich an der kurzen Leine halten.

— Geh in den Saal und tu, was man dir gesagt hat.

— Sonst…

— Sonst was?

— Verlässt du mich?

— Sonst mache ich dir das Leben so zur Hölle, dass du selbst davonläufst, nackt und barfuß.

— Respektiere die Älteren, du Miststück.

Das war das Wort.

Der letzte Tropfen.

Nicht „Geliebte“, nicht „Marina“.

Miststück.

Er drehte sich um und ging zu seiner Mutter, die ihm bereits zuwinkte.

Sie flüsterten etwas und lachten, während sie zu ihr hinübersahen.

Alina betrat den Saal.

Sie nickte Marina zu und schloss ihren Laptop an den Projektor an, wobei sie dem Tontechniker zuzwinkerte, den Marina vorsorglich schon am Morgen mit einem großzügigen Trinkgeld bestochen hatte.

Teil 5. Die Wut der Walküre

Das Bankett begann.

Tamara Pawlowna nahm als Erste das Mikrofon und drängte den Moderator zur Seite.

— Liebe Gäste!

— Heute ist ein großer Tag!

— Mein Sohn nimmt dieses nette Mädchen zur Frau.

— Aber das Wichtigste ist, dass heute Ella Wiktorowna bei uns ist!

Der Applaus war dünn.

— Und zu ihren Ehren möchte ich verkünden, dass die jungen Leute uns ein Geschenk machen.

— Die Wohnung…

In diesem Moment ertönte ein ohrenbetäubendes Kreischen des rückkoppelnden Mikrofons.

Es war Marina, die es der Schwiegermutter aus den Händen riss.

— STOPP! — rief sie so laut, dass die Gläser klirrten.

— Was machst du da?

— Gib es her! — zischte Tamara und versuchte, das Mikrofon zurückzureißen, doch Marina stieß sie mit Kraft weg.

Die Schwiegermutter verlor auf ihren Stilettos das Gleichgewicht und plumpste auf einen Stuhl.

Die Stille im Saal wurde tödlich.

Sergej sprang auf, erstarrte aber, als er das Gesicht seiner Frau sah.

Es war vor Wut verzerrt.

Das war nicht die Hysterie eines Opfers.

Das war die Raserei eines Berserkers.

— GENUG! — brüllte Marina.

— Ihr wolltet eine Show?

— Ihr bekommt sie!

Sie winkte Alina zu.

Auf der riesigen Leinwand hinter dem Brautpaar, wo eigentlich ihre „Love Story“ laufen sollte, erschien das Bild von Dokumenten.

— Ella Wiktorowna!

Marinas Stimme überschlug sich fast zu einem Kreischen, doch jedes Wort traf wie ein Peitschenhieb.

— Sie spielen hier die Königin von England?

— Und was ist das?!

Auf der Leinwand erschienen Scans von Gerichtsbeschlüssen.

— Dreizehn Millionen Schulden!

— Insolvenzverfahren!

— Ihre Wohnung in Moskau ist zur Versteigerung ausgeschrieben!

— Sind Sie hierhergekommen, um auf meine Kosten zu fressen?!

Der Saal keuchte auf.

Tante Ella wurde weiß im Gesicht und griff sich ans Herz, doch Marina hörte nicht auf.

— Und jetzt du, „Mama“!

Sie wandte sich zu Tamara Pawlowna.

— Du hast mich gezwungen, die Hochzeit hierher zu verlegen?

— Du hast mich eine arme Schluckerin genannt?

— ALINA, NÄCHSTE FOLIE!

Auf der Leinwand erschien Tamaras Korrespondenz mit einer Freundin:

„Diese Idiotin bezahlt alles.“

„Wir bringen sie dazu, die Wohnung herauszugeben, schreiben sie auf mich, und in einem Jahr lässt sich Serjoscha von ihr scheiden.“

„Dann finden wir ihm eine normale, reichere.“

Ein Raunen ging durch den Saal.

Marinas Eltern erhoben sich von ihren Plätzen, bereit zum Kampf.

— Das ist Photoshop!

— LÜGEN! — kreischte Tamara Pawlowna.

— Serjoscha, tu etwas!

— Schlag sie!

Sergej ging auf Marina zu und ballte die Fäuste:

— Halt den Mund!

— Du blamierst uns!

— KOMM NICHT NÄHER! — brüllte Marina so furchterregend, dass er zurückwich.

Sie packte eine Blumenvase vom Tisch und schleuderte sie mit Schwung und voller Kraft in die Hochzeitstorte.

Creme, Biskuit und Blumen spritzten bis zum Ehrentisch und verklebten Tamara Wiktorownas Gesicht und ihr luxuriöses Kleid.

— NICHTSNUTZ! — schrie Marina, am ganzen Körper zitternd.

Es gab keine Tränen, nur reines Adrenalin.

— Du wolltest die Wohnung?

— DU BEKOMMST NICHTS!

— Ich habe den Kauf heute Morgen rückgängig gemacht!

— Das Geld ist auf meinem Konto!

Sie trat gegen den Stuhl, auf dem der Bräutigam saß, so heftig, dass er umkippte.

— Und jetzt kommt das Interessanteste!

— Geschäftsführer!

Ein Mann in strengem Anzug trat zu ihnen.

— FÜR DIESES BANKETT WERDE ICH NICHT ZAHLEN! — brüllte Marina.

— Der Vertrag galt für ein anderes Menü und andere Bedingungen.

— Diese Änderungen hat diese Frau vorgenommen — sagte sie und zeigte mit dem Finger auf die Schwiegermutter, die sich Torte aus dem Gesicht wischte.

— Ihre Unterschrift steht auf der Zusatzvereinbarung.

— Dann soll sie auch bezahlen!

— Und ich habe meine fünfzig Prozent Vorauszahlung zurückgeholt.

— Was?.. — Sergej wurde aschgrau.

— Marin… das konntest du nicht…

— DOCH, ICH KONNTE!

— VERSCHWINDET!

— Alle raus!

— Das ist keine Hochzeit, das ist ein Zirkus der Missgestalten!

Marina packte die Tischdecke des Haupttisches und riss sie scharf zu sich heran.

Geschirr, Delikatessen, teure Weine — alles stürzte mit einem ungeheuren Krachen auf den Boden.

Das Krachen des zerbrechenden Kristalls war Musik in ihren Ohren.

Tamara Pawlowna saß in einer Pfütze aus Wein und Creme und öffnete und schloss den Mund wie ein Fisch.

— Ella… hilf… bezahl… — flüsterte sie.

Tante Ella, die bereits am Ausgang stand, schnaubte verächtlich:

— Ich habe kein Geld, du Idiotin.

— Du hast versprochen, dass die Braut zahlt.

— Ich fahre weg.

— Mein Fuß wird diesen Ort nie wieder betreten.

— Du hast mich blamiert, Tamara.

Die Tante verschwand.

Der Geschäftsführer, ein harter Mann, trat zu Sergej und Tamara:

— Die Rechnung beträgt dreihunderttausend.

— Zahlung sofort.

— Oder Polizei.

— Sachbeschädigung kommt separat dazu.

Sergej wandte sich zu Marina um, die mitten in der Verwüstung stand, schwer atmend, zerzaust, aber vollkommen glücklich.

In ihren Augen brannte das Feuer des Wahnsinns und der Freiheit.

— Häschen… warum denn so… wir können uns doch einigen… — blökte er, als ihm das ganze Ausmaß des Schreckens bewusst wurde.

Marina trat ganz dicht an ihn heran.

— Das Häschen ist tot — zischte sie ihm ins Gesicht.

— Und du, Serjoscha, wohnst jetzt bei Mama.

— Und bezahlst Mamas Schulden.

Sie drehte sich um, nahm ihren fassungslosen Vater unter den Arm und sagte stolz:

— Papa, fahren wir nach Hause.

— Ich will Pizza.

Sie ließ sie dort zurück — in den Ruinen des „Imperial“, im süßen Schmutz der Torte, allein mit einer Rechnung, die sie nicht bezahlen konnten.

Sergej sah ihr nach und konnte es nicht glauben.

Er dachte, sie würde es ertragen.

Er dachte, es würde keinen Skandal geben — denn „was werden die Leute sagen?“.

Doch sie hatte ihre Welt bis auf die Grundmauern niedergebrannt, und auf der Asche tanzte nur sie.