Vor Taisija gab es noch einen Sohn, aber sie konnten ihn nicht retten, er starb als Baby.
Seitdem zog sich Antonina in sich zurück und unterwarf sich ganz dem Willen ihres Mannes.

Die Eltern zogen ihre Tochter in Liebe und Fürsorge groß, obwohl der Vater streng war, sein Wort galt in der Familie als Gesetz.
Die Mutter fügte sich ohnehin, und auch Taja wuchs, solange sie klein war, gehorsam unter der elterlichen Aufsicht auf.
Aber sie hatte ihren eigenen Charakter, und in dem Dorf war sie für ihre Schönheit und ihren Verstand bekannt.
Und mit zwanzig wollte sie heiraten.
Da brach ein Familienkonflikt aus.
Mit Jegor war sie schon seit einem Jahr zusammen.
Die abgedroschene Redewendung „der erste Bursche im Dorf“ passte wie angegossen zu diesem schönen Kerl.
Immer geschniegelt und geschniegelt, gepflegt, er war im Büro seines Vaters als irgendein Buchhalter angestellt.
Er spielte Gitarre und trat im Klub auf der Bühne auf, begleitet von dem „Oh!“ und „Ah!“ der Dorfmädchen.
Sein Vater war ein geachteter Mann, aber über Jegor war der Ruf nicht besonders gut.
In der Armee hatte er nicht gedient, sein Vater hatte sich darum gekümmert.
Mit den Dorfbewohnern sprach er überheblich.
Die Mädchen klebten an ihm wie Kletten, und er trällerte unter ihnen wie eine Nachtigall, sang geschniegelt seine Lieder und gefiel sich dabei.
Dann aber richtete er seinen Blick auf Taisija, und damit war es geschehen: Er wurde stolz, weil er sich die Schönste ausgesucht hatte.
Aus einer einfachen Familie, na gut, aber immerhin etwas, womit man angeben konnte.
Und Taisija verliebte sich so sehr, dass sie nachts nicht schlafen konnte, wenn sie an seine Hände auf ihren Schultern dachte, an Blicke von Auge zu Auge und an heiße Küsse auf den Lippen.
Und dann machte er ihr sogar einen Antrag, doch der Vater wollte auf keinen Fall: Das würde nicht passieren, und damit basta.
— Nein, habe ich gesagt! — erklärte er laut.
— Ich gebe dich nicht diesem Tänzer.
— Seine Seele ist leer.
— Deine Augen sehen nicht, sie sind von der Liebe geblendet, aber später wirst du mir danken, dass ich dich vor Unheil bewahrt habe.
— Soll ich also wegen dir als alte Jungfer enden? — gab Taisija unter Tränen nicht nach.
— Wieso alte Jungfer? — sagte er.
— Du heiratest Fjodor Sytow.
— Hinter ihm wirst du wie hinter einer Steinmauer sein.
— Ein Mann, nicht wie dieser da, ein Faulpelz unter dem Flügel seines Vaters.
— Wen?! — empörte sich Taisija.
— Ich heirate keinen, den ich nicht liebe.
— Mama, sag es ihm!
— Kann man eine Tochter denn ohne Liebe und ohne Zustimmung weggeben?
— Man kann, Tochter, — antwortete die Mutter.
— Mich hat man auch weggegeben, und wir haben mit deinem Vater unser ganzes Leben in Frieden und Güte gelebt.
Ignat schaute seiner geliebten Tochter in die Augen.
Erwachsen, schön, stur.
Und er konnte nicht zulassen, dass sie ein unglückliches Leben führte.
— Du, Taja, wirst dich später an meine Worte erinnern.
— Du wirst mir danken.
Am nächsten Tag traf sich das Mädchen mit ihrem Geliebten am See, und als sie ihn sah, zog sich ihr Herz vor Kummer zusammen, weil sie sich trennen mussten.
Sie wollte sich an seine breite Brust werfen, damit er sie fest umarmte und nicht von sich ließ.
Doch Jegor blickte sie nur schmaläugig an und fragte, während er sich mit der Hand durch sein seidiges Haar fuhr:
— Na, was sagt dein Vater?
— Schimpft er, was?
— Oder hat er sein Einverständnis gegeben? — und dabei lächelte er.
— Nein, Jegoruschka, — schluchzte Taisija.
— Wir werden nicht zusammen sein, ich konnte ihn nicht überreden…
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Trotzdem schmiegte sie sich an seine Brust und weinte bitterlich.
— Und womit tauge ich denn nicht als Bräutigam?
— Der Hof ist solide, mein Vater ist kein Niemand, wir lieben uns.
— Oder zählt das alles nicht?
Er schob das Mädchen von sich weg und trat mit dem Fuß nach einem jungen Entchen, das vorsichtig zum Wasser watschelte.
Es schlug mit den Flügeln und fiel auf die Seite.
Taisija hockte sich daneben, doch Jegor packte sie am Ellenbogen und zog sie ruckartig hoch.
— Komm, wir gehen spazieren.
— Ich habe wenig Zeit.
Er führte sie Richtung Wald, und dort riss sich das Mädchen kaum von ihm los.
Die Küsse waren süß, die Umarmungen fest.
Nur ließ sie seinen Händen keinen freien Lauf.
Sie stieß den aufdringlichen Verehrer von sich und rannte davon.
Am See traf sie Fjodor.
Auf dem Boden lagen Angelsachen, und in den Händen hielt er das Entchen.
Er begrüßte Taisija mit einem Nicken und senkte den Blick.
Stachelige Haare, ein schlichtes Gesicht, breitschultrig, aber klein.
Wie sollte man ihn mit Jegor vergleichen?
Und wieder schmerzte ihr Herz vor Sehnsucht.
— Hier, ich habe es am Ufer gefunden.
— Sieht so aus, als wäre das Bein verletzt.
— Ich bringe es zu meinem Vater, er wird es behandeln.
Sein Vater konnte tatsächlich Tiere heilen, damit hatte er sich sein Leben lang beschäftigt.
Und Fjodor arbeitete als Traktorist und half seinem Vater manchmal.
Auch ihr Hof war ordentlich, sie lebten nicht arm, aber prahlten auch nicht.
Zwei Schwestern waren verheiratet, und er lebte immer noch bei den Eltern.
Taisija wurde rot, als sie daran dachte, wie Jegor nach dem Entchen getreten hatte, streichelte ihm das Flügelchen und ging weiter.
Ihr war es peinlich wegen des Vorfalls, aber erzählen konnte sie es ja nicht.
Das Entchen behandelten sie und sein Vater tatsächlich, das Bein heilte.
Und sie ließen es bei sich wohnen.
Und bald wurde Taisija mit Fjodor verlobt.
Wahrscheinlich hatte ihr Vater mit seinem Vater gesprochen, und sie konnte nicht ablehnen.
Jegor überredete sie, mit ihm wegzulaufen, aber wohin?
Was für eine Schande wäre das für die Familie!
Sie stellte sich vor, wie der Vater toben würde, wie die unglückliche Mutter weinen würde.
Und was, wenn es bei ihnen nicht klappte und sie zurück müsste?
Nein, sie lehnte ab.
Jegor drehte sich um und ging, wobei er wütend zum Abschied sagte:
— Du wirst es bereuen, aber dann wird es zu spät sein.
— Ich werde dich nicht zurückrufen.
Bald wurde auch der Hochzeitstag festgelegt.
Die unglückliche Taisija weinte Tag und Nacht, aber dem Vater zeigte sie sich in Tränen möglichst nicht.
Auf der Arbeit im Gewächshaus, sobald sie sich an die Beete setzte, dachte sie ihre schweren Gedanken, und die Tränen liefen, tränkten den ohnehin guten Boden.
Zu Hause tröstete die Mutter sie:
— Weine nicht, Tochter.
— Der Vater wird seinem eigenen Blut nichts Schlechtes wünschen.
Am Hochzeitstag stand Taja vor dem Spiegel und sah ihr schneeweißes Kleid an.
Die Eltern hatten sich Mühe gegeben und es auf Bestellung anfertigen lassen.
Die junge, schöne Braut war blendend schön.
Auch der Bräutigam war nicht schlecht.
Der Anzug saß gut, das Hemd war gestärkt, mit Krawatte.
Und vom Gesicht trinkt man kein Wasser.
Doch seine Augen sahen Taisija aufmerksam an, voller Liebe.
Sie aber wandte den Blick zur Seite.
Sie konnte ihm keine Gegenliebe schenken.
Allen war es auf dieser Hochzeit fröhlich, außer dem Bräutigam und der Braut.
Doch er hielt sich.
Sie aber brach in Tränen aus, als sie sah, dass Jegor Natalja Mochowa keine Sekunde von der Seite wich: Er tanzte mit ihr, goss ihr Wein nach, umarmte sie an den Schultern.
Und Fjodor wagte nicht einmal, seine Geliebte zu berühren, und wenn die Gäste „Bitter!“ riefen, nahm er sie ein wenig in den Arm und küsste sie nur leicht, und seine Lippen rochen nach Honig.
Alkohol hatte er an diesem Abend nicht angerührt.
Die Nacht verging wie im Nebel.
Fjodor umarmte seine junge Frau zärtlich, sagte Liebesworte und erfüllte die eheliche Pflicht sanft, mit Liebe.
Taisija wehrte sich nicht, doch später, gegen Morgen, weinte sie.
Sie hatte sich einem Unliebten hingegeben, und jetzt gab es keinen Weg zurück.
Als die Sonne durchs Fenster schaute, stand Fjodor auf, zog sich an und sagte traurig:
— Du hast mich nicht angenommen, Taja, weder mit Seele noch mit Herz.
— Ich spüre das.
— Und ich werde nicht mehr nach deiner Liebe verlangen, bis du selbst willst.
— Aber nach dem Gesetz bin ich dein Mann, ich werde dich schützen und lieben.
Dann ging er aus dem kleinen Schlafzimmer.
Und sie brach wieder in Tränen aus.
Dann beruhigte sie sich: Wozu jetzt noch weinen.
Man musste sich in die neue Familie einleben.
Schwiegermutter und Schwiegervater warteten zum Frühstück, sie ging hinaus und lächelte.
Sie setzte sich an den Tisch.
Sie nahmen sie gut auf, respektvoll.
Sie half im Haushalt, so gut sie konnte, passte auf die Beete und das Geflügel auf.
Das Entchen wuchs heran und wurde zu einem schönen Erpel.
Sie erinnerte sich daran, wie Jegor es im Zorn getreten hatte, und dachte: „So einer tritt auch seine Frau, ohne nachzudenken.“
So kam es auch: Er heiratete bald Natalja, doch das Leben war keines.
Sie lief jeden zweiten Tag weinend zu den Eltern.
Und Taisijas Gefühle für ihn waren längst verschwunden, aber auch für den Mann waren keine entstanden.
Ihre Seele wurde kalt, obwohl sie Fjodor bemitleidete, nahm sie ihn nicht an, reagierte nicht auf seltene Zärtlichkeiten, öffnete ihm nicht ihre weiblichen Arme.
Doch die Schwiegermutter und ihre Mutter warteten auf Enkel.
Und was sollte sie tun?
So verging Tag um Tag, bis ein Unglück geschah.
Am Dorfrand brannte es nachts bei der alten Matwejewna.
Fast das ganze Dorf lief zusammen, Fjodor rannte als einer der Ersten hin.
Taisija machte sich auch auf, zog sich an und rannte dorthin.
Die Hütte brannte, die Leute standen herum, einige mit Eimern, andere mit Schaufeln.
Sie versuchten zu löschen.
Abseits jammerte Matwejewna, die Frauen beruhigten sie.
— Und wo ist Fjodor?! — rief die außer Atem geratene Taisija, als sie ihn nicht unter den anderen fand.
— Deiner ist drin! — antwortete ihr die Nachbarin, die Frau Klawa.
— Du hast einen goldenen Mann, wie viel von dem Zeug der alten Frau hat er noch rausgeschleppt.
— Und?!
— Wo ist er jetzt? — fragte Taisija, und sie spürte, wie ihr Herz vor Angst um ihren Mann fast aus der Brust sprang.
— In der Hütte ist er, Tochter.
— Bei Matwejewna ist ein Welpe, ganz klein noch.
— Er ist wegen ihm hineingerannt, um ihn zu finden und das Tier zu retten…
Und da begann vor den Augen aller die Dachkonstruktion einzustürzen.
Alle fassten sich an den Kopf und jammerten.
Vor Svetlanas Augen verschwamm alles, und sie fiel ohnmächtig um, wie niedergemäht.
Sie kam wieder zu sich, weil jemand ihr sanft übers Gesicht strich und flüsterte:
— Tajetschka, ich bin hier, bei dir.
— Hör mich…
Sie öffnete die Augen und sah Fjodja neben sich, er sah sie besorgt an, und sein Blick war so vertraut.
Sie schlang die Arme um seinen Hals und fragte leise:
— Wie bist du da rausgekommen, mein Lieber?
— Das Dach ist doch eingestürzt…
— Ich habe es noch geschafft.
— Ich habe den Welpen hinter dem Ofen gefunden und bin mit ihm aus dem Fenster gesprungen.
— Und erst danach ist das Dach schief abgesackt.
Und da begann sie ihn zu küssen: auf die Stirn, auf die Wangen, auf die Lippen.
Er nahm sie in den Arm, führte sie ein Stück zur Seite und flüsterte:
— Setz dich hier hin, Liebste, und ich helfe den Männern, dann gehen wir nach Hause.
So kam die Liebe.
Ganz von selbst, ohne Zwang.
Zwei junge Herzen erschraken, lebten auf und fanden zueinander.
Was für ein guter Ehemann Fjodor war!
Ein respektvoller Sohn und ein guter Schwiegersohn.
Und seine Frau trug er fast auf Händen.
Und sie hing an ihm mit Leib und Seele, blies jedes Staubkorn von ihm weg.
Als sie erfuhren, dass bald Nachwuchs erwartet wurde, konnten sie ihr Glück kaum fassen, sowohl die jungen Eltern als auch die Großeltern.
Mit Begeisterung machten sie sich daran, ihnen ein neues Haus zu bauen.
Da ging Taisija zu ihrem Vater, umarmte ihn, schmiegte Wange an Wange und flüsterte liebevoll:
— Danke, Papa.
— Du hast es so gemacht, dass ich glücklich wurde, und mich nicht an Jegor gegeben hast.
— Ich werde deine väterliche Liebe und Fürsorge mein Leben lang in Erinnerung behalten.
— Schon gut, Tochter, — antwortete der zukünftige Großvater.
— Das Glück ist dort, wo man es mit dem Herzen spürt.
— Ich habe es gespürt und es dir gegeben.
— Leb gesund und ehre deinen Mann.
— Und wir helfen, so gut wir können.
— Gott gebe euch Glück!



