— Na so was, sie hat eine Prämie bekommen und schweigt! — murmelte der Mann…

— Na so was, sie hat eine Prämie bekommen und schweigt! — murmelte der Mann.

— Und von wem hast du diese Frechheit?

— Hast du etwa beschlossen, meine Prämie mit deiner Mutter zu teilen?

Das Wasser aus dem Hahn floss kaum — rostig, mit unangenehmem Geruch.

Ljuda stellte den Wasserkocher an.

Vor dem Fenster verdichtete sich bereits die Aprilnacht, und die Stadt versank früher als gewöhnlich in Dunkelheit.

Sie beobachtete, wie sich der Wasserkocher langsam füllte, und dachte: „Achtzehn Jahre.“

„Achtzehn Jahre trinke ich hier dieses widerliche Wasser — wird denn niemand jemals einen Filter einbauen?“

— Ljudka, wo bist du geblieben? — ertönte die Stimme der Schwiegermutter aus dem Zimmer.

— Wann machst du Tee?

„Wenn das Wasser heiß ist“, wollte Ljuda antworten, aber sie schwieg.

Sie hatte keine Kraft für Gespräche.

Der Arbeitstag war wahnsinnig gewesen, und vor ihren Augen flimmerten noch immer die Zahlen.

Der Wasserkocher begann zu zischen.

Sie brühte zwei Gläser Tee auf — eines für sich und eines für die Schwiegermutter.

Nina Petrowna liebte Tee mit Bergamotte, eine teure Sorte, die Ljuda vom letzten Gehalt gekauft hatte, obwohl sie anderthalbmal so viel kostete wie gewöhnlicher Tee.

— Hier, — sagte sie und stellte die Tasse auf den kleinen Tisch neben dem Sofa, auf dem die Schwiegermutter halb liegend mit ihrem Strickzeug lag.

— Ach, das kann ich nicht trinken, — verzog Nina Petrowna das Gesicht.

— Es schmeckt nach Chemie.

Ljuda seufzte schwer.

Wenn es nicht nach „Chemie“ schmeckte, dann nach „Wasser“ oder „Medizin“ — die Schwiegermutter war nie zufrieden.

Von der Straße her waren Schritte zu hören.

Der Sohn.

Das Schloss klickte scharf vom Schlüssel — er war wieder schlecht gelaunt.

— Denis, willst du zu Abend essen? — fragte Ljuda und sah in den Flur hinaus.

Der Sohn zog seine Turnschuhe aus, ohne die Schnürsenkel zu lösen.

Fünfzehn Jahre alt, aber seine Hände waren schon größer als die seines Vaters.

Und die Augen waren genau wie bei Vitalik — dieselben grauen, sturen Augen, nur der Blick kam von unten herauf.

— Ich will nicht, — murmelte er und ging an der Küche vorbei.

Er öffnete den Kühlschrank, zog die Wurst heraus und biss direkt hinein, ohne sie zu schneiden.

— Iss wenigstens etwas Warmes, — sagte Ljuda und räumte den Wasserkocher weg.

— Ich habe Suppe gekocht.

— Deine Suppen… die hängen mir schon zum Hals raus.

— Ich esse nicht!

Denis ging in sein Zimmer, ohne den Kühlschrank zu schließen.

So verliefen die Abende: zwischen Kühlschrank und Zimmern, zwischen „hängt mir zum Hals raus“ und „immer“, zwischen Müdigkeit und Gereiztheit.

Das Telefon vibrierte.

Der Mann:

„Ich komme später.“

„Warte nicht.“

Ljuda schloss die Augen.

Zum dritten Mal in dieser Woche.

Nachts lag sie wach und starrte an die Decke.

Denis schlief schon lange.

Die Schwiegermutter auch.

Aber Vitalik war noch immer nicht gekommen.

Vielleicht war er mit Freunden unterwegs.

Vielleicht mit Larissa — jener Mitarbeiterin der Autowerkstatt, die immer „wegen Arbeitsfragen“ anrief.

Ljuda fragte nicht.

Sie hatte einfach keine Kraft.

Es war schon nach ein Uhr nachts.

Ljuda saß auf dem Badteppich und presste die Hand auf den Mund, um die Hausbewohner nicht mit ihrem Weinen zu wecken.

Das Rauschen des Wassers übertönte das Schluchzen — eine alte Methode, über Jahre eingeübt.

„Neununddreißig Jahre, Ljuda.“

„Warum heulst du wie ein Schulmädchen?“

Hinter der Wand schnarchte Vitalik bereits auf dem Sofa — sorglos, mit einem Pfeifen.

Daneben, in ihrem Ehebett, lag seine Mutter.

„Damit es für mich bequemer ist“, hatte Nina Petrowna vor zwei Jahren erklärt, als sie nach einem Bruch zu ihnen gezogen war.

Und sie blieb.

Offenbar für immer.

Ljuda schlief im Zimmer des Sohnes, auf einem Klappbett.

Denis war fünfzehn und murrte, dass seine Mutter seinen Raum einnahm, aber er ertrug es.

Er war der Einzige, der sie in dieser Wohnung noch ertrug.

Bei der Arbeit rief Pjotr Sergejewitsch sie nach dem Mittagessen zu sich.

Ljuda ging den Flur entlang und ging im Kopf mögliche Fehler in den Berichten durch.

Den letzten Monat hatte sie wie im Nebel gearbeitet — Schlafmangel, endlose Nörgeleien der Schwiegermutter, das Schweigen des Mannes.

Der Chef saß am Fenster und klopfte mit einem Stift auf den Tisch.

— Ljuda, — er nannte sie nie mit Vatersnamen, obwohl er die anderen Mitarbeiter vollständig ansprach, — setz dich.

Sie setzte sich auf die Stuhlkante und drückte ihren Kalender in den Händen zusammen.

— Ich habe deine Berechnungen zu den Steuerabzügen überprüft, — sagte er und rückte seine Brille zurecht.

— Du hast einen Fehler in den Dokumenten entdeckt.

— Einen ernsten Fehler.

Ljuda sah ihn verständnislos an.

Welchen Fehler?

Sie hatte doch nachts die Zahlen abgeglichen, nur um nicht an den Alltag, an den Mann, an das Leben zu denken.

— Wenn du nicht gewesen wärst, hätten wir eine Strafe bekommen.

— Zweihunderttausend.

Er zog einen Umschlag aus der Schublade.

— Prämie.

— Sechzigtausend netto.

— Du hast sie verdient.

Sie nahm den Umschlag und traute ihren Augen nicht.

— Geh irgendwo essen, — sagte der Chef unerwartet sanft.

— Ruh dich aus.

— Du hattest schon lange keinen Urlaub mehr.

Ljuda erstarrte vor dem, was geschah.

In der U-Bahn drückte sie die Tasche an die Brust.

Der Umschlag wärmte ihre Handfläche durch den Stoff.

Sechzigtausend.

Es schien ihr, als hätte Gott sie zum ersten Mal seit vielen Jahren erhört.

Als sie aus der U-Bahn kam, ging sie gewöhnlich nach links — dort war ein Supermarkt mit billigen Lebensmitteln.

Doch heute bog sie aus irgendeinem Grund nach rechts ab.

Sie verstand selbst nicht, warum.

An der Ecke, in einem kleinen Büro mit einem verblassten Schild „Reisen Sie mit uns“, stand sie fünf Minuten lang und betrachtete einfach die Fotos vom Meer im Schaufenster.

Blau, endlos, ganz anders als der graue Apriltag.

Sie ging hinein.

Drinnen roch es nach Kaffee und Blumen.

Das Mädchen am Tisch hob den Kopf vom Computer.

— Guten Tag, — lächelte sie.

— Wie kann ich Ihnen helfen?

— Ich möchte nur schauen, — sagte Ljuda und fühlte sich lächerlich, als hätte sie kein Recht, hier zu sein.

— Setzen Sie sich, — sagte das Mädchen und zeigte auf einen Stuhl.

— Interessieren Sie sich für bestimmte Reiseziele?

Ljuda schwieg und drückte den Riemen ihrer Tasche zusammen.

— Das Meer, — sagte sie.

— Ich muss ans Meer.

— Allein.

Sie besprachen verschiedene Möglichkeiten.

Türkei, Bulgarien, Montenegro…

Ljuda unterschied die Namen nicht — sie verschmolzen zu einem einzigen Wort: „Meer“.

— Zweiundfünfzigtausend für eine Woche, — fasste das Mädchen zusammen.

— Eine Sparvariante, aber das Meer ist ganz in der Nähe.

— Einzelzimmer, Frühstück inklusive.

Ljuda berührte die Tasche mit dem Umschlag.

Fast das ganze Geld.

Nichts würde übrig bleiben, weder für ein Geschenk für Denis noch für die Medikamente der Schwiegermutter noch für einen neuen Anzug für Vitalik.

— Wann kann man abreisen?

— Es gibt Plätze in zwei Wochen.

Ljuda stellte sich vor: blauer Himmel, blaues Meer, sie allein geht am Ufer entlang.

Niemand fragt: „Wo ist der Tee?“, niemand murrt: „Ich habe genug davon“, niemand schickt eine Nachricht: „Warte nicht.“

— Ich nehme es, — sagte sie und holte den Umschlag hervor.

Ljuda versteckte den Reiseschein unter einem Stapel Bettwäsche im Schrank.

Zwei Wochen lang ging sie wie im Traum umher.

Sie kochte, wusch, arbeitete, lächelte.

In ihrem Inneren wuchs und festigte sich ein seltsames Gefühl — entweder Freude oder Angst.

Sie hatte noch nie zuvor etwas Ähnliches getan.

Es schien ihr, als bemerkten die Hausbewohner die Veränderung, aber niemand sagte ein Wort.

Die Schwiegermutter forderte wie immer und klagte über ihre Gesundheit, Denis verschloss sich wie immer in seinem Zimmer, Vitalik kam wie immer später von der Arbeit.

Drei Tage vor der Abreise packte Ljuda ihre Sachen, während alle schliefen.

Ihr Herz schlug vor Angst und irgendeiner kindlichen Begeisterung.

Sie holte den alten Badeanzug heraus, der noch vor Denis’ Geburt gekauft worden war, zwei Kleider und eine Hose.

Die Sandalen waren an den Knicken rissig, aber noch stabil.

Sie strich mit den Fingern darüber — einst hatte sie darin mit Vitalik auf der Hochzeit einer Freundin getanzt.

Damals hatte er ihr zugeflüstert, dass sie die Schönste sei.

Ach!

Wann war das nur?

Im Schrank fand sie eine versiegelte Tube Sonnencreme, die sie vor drei Jahren für eine Reise gekauft hatte, die nie stattgefunden hatte.

Damals war es der Schwiegermutter plötzlich „schlecht ums Herz“ geworden, und das Urlaubsgeld war für eine Untersuchung in einer teuren Klinik ausgegeben worden.

Diese Untersuchung zeigte später, dass Nina Petrownas Herz gesünder war als das des Arztes.

In der Küche polterte etwas.

Ljuda zuckte am ganzen Körper zusammen.

Wer schlief um zwei Uhr nachts nicht?

— Was machst du da?

Vitalik stand in der Tür, verschlafen, zerzaust, mit einer Tasse in der Hand.

In seinen Augen war Misstrauen zu lesen.

— Ich packe Sachen, — antwortete sie und beschloss, nicht zu lügen.

— Wohin?

Sie sahen einander im Halbdunkel an.

Fremde, müde Menschen, die in den Jahren ihres gemeinsamen Lebens etwas Wichtiges verloren hatten.

— Ans Meer, — lächelte sie plötzlich.

— Ich fahre ans Meer.

— Allein.

— Was? — fragte er nach.

— Ich habe auf der Arbeit eine Prämie bekommen.

— Und eine Reise gekauft.

Er sah sie an, als hätte sie in einer unbekannten Sprache gesprochen.

— Auf der Arbeit?

— Eine Prämie?

— Und du hast nichts gesagt?

— Musste ich?

— Wir sind doch eine Familie! — seine Stimme wurde lauter, doch Ljuda deutete auf die Schlafenden im Haus.

— Familie, — nickte sie.

— Und?

Vitalik stellte die Tasse auf den Nachttisch und kam näher.

— Zeig den Reiseschein.

Sie holte die Dokumente unter der Wäsche hervor und reichte sie ihm.

Vitalik las sich hinein und bewegte dabei die Lippen.

— Du hast das ganze Geld ausgegeben?

— Für dich?

In seiner Stimme lag so viel Erstaunen, dass Ljuda unwillkürlich lächelte.

— Ja.

— Alles.

— Für mich.

— Und wir?

— Was ist mit euch?

— Du hast dein Gehalt.

— Deine Mutter hat ihre Rente.

— Denis hat Sandwiches im Kühlschrank.

— Ihr kommt eine Woche zurecht.

Vitalik wurde plötzlich rot, und Adern traten an seinen Schläfen hervor.

Sein Gesicht verzerrte sich, sein Hals schwoll vor Empörung an.

— Du bist ja gierig, hast eine Prämie bekommen und kein Wort gesagt! — schmollte der Mann und wedelte mit dem Papier vor ihrem Gesicht.

In Ljudas Brust riss der letzte Faden, die letzte Hoffnung auf Verständnis.

Achtzehn Jahre zusammen, und er dachte nur an Geld.

Nicht an ihre müden Augen, nicht an ihre grau werdenden Schläfen, sondern an Geld.

— Und von wem hast du diese Frechheit? — ihre Stimme klang erstaunlich ruhig, als spräche jemand anderes.

— Hast du etwa vorgehabt, meine Prämie mit deiner Mutter zu teilen?

Vitalik öffnete den Mund, schloss ihn und öffnete ihn wieder.

— Du… du…

— Ich, ja, — nickte Ljuda.

— Ich, die dir achtzehn Jahre lang Borschtsch gekocht, deine Hemden gewaschen und deiner Mutter zugehört hat.

— Ich, die drei Jahre lang für einen Urlaub gespart und das Geld dann für dein Auto hergegeben hat.

— Ich, die dieses Zuhause allein zusammenhält, während du dich mit Larissa aus der Autowerkstatt „verspätest“.

— Ja, ich.

— Und ich fahre ans Meer.

— Ohne dich.

Er stand da, getroffen von ihren Worten.

— Woher weißt du von Larissa? — brachte er nur heraus.

Ljuda lachte.

Und sie selbst war überrascht über ihr Lachen — leicht, klar, ganz jung.

— Das ist es, was dich beunruhigt?

— Wirklich?

— Nicht, dass deine Frau zum ersten Mal in ihrem Leben ans Meer fährt, sondern dass sie von deinen Verspätungen weiß?

An der Tür raschelte es.

In der Tür stand Nina Petrowna im Nachthemd.

— Was ist das für ein Geschrei?

— Ljudka, machst du schon wieder einen Skandal?

— Mama, stell dir vor, — stürzte Vitalik zu ihr wie ein Kind, das Schutz sucht, — sie hat eine Prämie bekommen.

— Und alles für eine Reise ausgegeben.

— Sie fährt allein ans Meer!

Nina Petrowna schlug die Hände zusammen.

— Bist du völlig verrückt geworden?

— Und ich?

— Und meine Medikamente?

— Ihre Medikamente, Nina Petrowna, — Ljuda legte die Sachen ordentlich in die Tasche, — liegen im Nachttisch.

— Dort, wo sie gestern und vorgestern lagen.

— Und wenn etwas ausgeht, gibt es die Rente.

— Oder Ihr Sohn hilft.

— Schamloses Weib! — erhob die Schwiegermutter die Stimme.

— Ich bin eine kranke Frau!

— Sie sind gesünder als ich, — antwortete Ljuda ruhig.

— Ihr Blutdruck ist hundertzwanzig zu achtzig, meiner ist wegen dieses Lebens fast bei zweihundert.

— Mama, was ist los?

In der Tür erschien Denis — verschlafen, in Pyjamahosen, mit einem Abdruck des Kissens auf der Wange.

— Deine Mutter, — begann Vitalik.

— Deine Mutter, — sagte Nina Petrowna gleichzeitig.

— Ich fahre ans Meer, — unterbrach Ljuda sie und sah ihrem Sohn direkt in die Augen.

— Ich habe auf der Arbeit eine Prämie bekommen und eine Reise gekauft.

— Für eine Person.

— Für MICH.

— Für eine Woche.

Denis blinzelte und versuchte endgültig aufzuwachen.

— Ans Meer?

— Du?

— Stell dir vor, — lächelte Ljuda.

— Zum ersten Mal in meinem Leben.

— Sie hat der Familie Geld gestohlen! — empörte sich Vitalik.

— Mein Geld!

— Dein Geld? — Ljuda hob eine Augenbraue.

— Das ist meine Prämie.

— Für meine Arbeit.

— Für meine Berichte.

— Für meine schlaflosen Nächte.

— Wir sind doch eine Familie! — Vitalik begann zu schreien.

— Alles muss gemeinsam sein!

— Ach ja? — Ljuda wandte sich an ihren Sohn.

— Denis, erinnerst du dich, wann wir letztes Jahr mit deinem Vater angeln waren?

— Und vorletztes Jahr?

— Und wann hatten wir das letzte Mal ein Familienessen?

— Und wann hat dein Vater gefragt, was ich mir zum Geburtstag wünsche?

Der Sohn sah von der Mutter zum Vater, offensichtlich ohne zu verstehen, was man von ihm wollte.

— Mein Geld, — sagte Ljuda streng und sah ihren Mann an, — war immer unser Geld.

— Und deines war nur deines.

— Und ihres, — sie nickte zur Schwiegermutter, — war ebenfalls ihres.

— Ich kaufe Lebensmittel, bezahle die Wohnung und kaufe Kleidung für unseren Sohn.

— Und du wechselst Reifen am Auto, gehst mit Freunden in die Bar und kaufst neue Unterwäsche für deine Treffen mit Larissa.

— Wag es nicht! — Vitalik wurde blass.

— Ich fahre, — sagte Ljuda und schloss die Tasche, — ans Meer.

— Das wird nicht diskutiert.

— Und ich komme in einer Woche zurück.

— Vielleicht.

— Vielleicht? — fragte die Schwiegermutter.

— Vielleicht, — nickte Ljuda.

— Ich habe mich noch nicht entschieden.

Sie wandte sich zu Denis und wurde unerwartet weicher.

— Mach dir keine Sorgen.

— Ich komme zurück.

— Und ich bringe dir etwas vom Meer mit… eine getrocknete Krabbe.

Der Sohn sah sie mit weit geöffneten Augen an.

Die drei Tage bis zur Abreise wurden zu einer echten Prüfung.

Im Haus herrschte eine so angespannte Stille, dass die Luft zu klingen schien.

Vitalik sprach nicht mit ihr und gab seine Bitten über den Sohn weiter:

„Sag deiner Mutter, sie soll meine Socken finden.“

Jeden Abend schaute er den Sportkanal in voller Lautstärke.

Und wenn sie hereinkam, drehte er sich demonstrativ weg.

Nina Petrowna übertraf sich selbst.

Zweimal „verlor sie das Bewusstsein“ und verlangte einen Krankenwagen.

Die Ärzte kamen, maßen den Blutdruck und zuckten mit den Schultern:

„Frau, bei Ihnen ist alles in Ordnung.“

Ljuda schluckte schweigend Kopfschmerztabletten und zählte die Stunden bis zur Abreise.

Der einzige Lichtstrahl war Denis.

Der Sohn wurde plötzlich anders — als wäre er aus einem langen Schlaf erwacht.

Am Morgen der Abreise wachte sie vor dem Wecker auf.

Sie überprüfte die Tasche und ging in die Küche.

Ihre Hände griffen von selbst zum Herd — aus Gewohnheit Brei für alle kochen, das Geschirr von gestern abwaschen…

Aber sie hielt inne.

Nein.

Heute nur Kaffee für sich selbst.

Denis wachte ebenfalls auf und kam in die Küche, als sie die zweite Tasse austrank.

— Mama, bringt dich jemand weg?

— Ich habe ein Taxi bestellt, — lächelte sie.

— Für dich ist es Zeit zur Schule.

Der Sohn rutschte am Tisch hin und her, steckte die Hände in die Taschen und zog sie wieder heraus.

— Du kommst bestimmt zurück?

Ljuda nickte.

— Ist es dort wirklich schön?

— Ich weiß es nicht, — antwortete sie.

— Aber ich erzähle dir alles und bringe Fotos mit.

Er umarmte sie plötzlich fest und vergrub die Nase an ihrer Schulter.

— Du… also… bade dort.

Sie strich ihm über den Kopf, und ein Kloß unerwarteter Zärtlichkeit stieg ihr in die Kehle.

Im Flur knallten die Türen — Vitalik kam von der Nachtschicht zurück.

Als er seine Frau mit der Tasche sah,